Zwei Hörgeräte

Besser ein oder zwei Hörgeräte?

vom 03.07.2020

„Man muss mit zwei Ohren hören!“ Für die Meisten bezieht sich dieses Sprichwort auf die Interpretatiom eines Textinhaltes, auf Selbstkundgabe des Sprechers und dessen Appell an den Zuhörer (Vier-Seiten-Modell, Friedemann Schulz von Thun).

Im Bereich der Hörakustik, hat es allerdings eine andere Bedeutung. Da im Alltag in der Regel beide Ohren in etwa gleich viel beansprucht werden, entsteht ein Hörverlust auch meist beidseitig. Oft steht dennoch die Frage im Raum, ob eine Hörgeräteversorgung gleich an beiden Ohren notwendig ist, oder ob das Resthörvermögen ausreicht, um ein optimales Verstehen mit nur einem Gerät zu gewährleisten. Gerade für jemanden, der sich noch nicht selbst von den Vorteilen einer solchen Versorgung überzeugen konnte, stellt das Tragen von nur einem Gerät zudem ein Stück weit Unabhängigkeit dar. Denn er oder sie müsste sich in diesem Fall nicht vollkommen auf die Technik verlassen. Spätestens der Praxistest, der im jeweiligen Fachgeschäft durchgeführt werden kann, überzeugt allerdings vom Gegenteil.

Zwei Hörgeräte ermöglichen das Richtungshören

Einer der Faktoren, die es ermöglichen zu bestimmen, woher eine Stimme oder ein Geräusch kommt, ist die sogenannte Laufzeitdifferenz.

Das menschliche Gehirn ist in der Lage, den sehr geringen Zeitunterschied  von gerade einmal 10-30 Mikrosekunden auszurechnen, den der Schall benötigt um von einem Ohr zum anderen zu gelangen. Auch die Intensitätsdifferenz, also den Lautstärkeunterschied, der auf diesem kurzen Weg entsteht, kann in diesem Zusammenhang verwertet werden. Wenn nun ein beidseitiger Hörverlust vorliegt und dieser nur auf einem Ohr ausgeglichen wird, werden diese Berechnungen des Gehirns durcheinander gebracht. Das Ergebnis: Eine genaue Zuordnung der Richtung, aus der man angesprochen wird oder etwaige Warnsignale, wie das Hupen eines Autos, empfängt ist nicht mehr einwandfrei möglich.

Weitere technische Vorteile

Darüber hinaus bietet die heutige Technik in Hörgeräten Vorteile, die nur bei einer Versorgung von beiden Ohren ihren Nutzen entfalten können. So stehen die Geräte, welche ständig die jeweilige Hörumgebung analysieren, per Funk im Kontakt miteinander. Diese Funktion ermöglicht es, den Pegel einer Lärmquelle, wie beispielsweise einer Baustelle, auf der betroffenen Seite zu reduzieren. Gleichzeitig wird diese Information an das andere System weiter gegeben, sodass es entsprechend reagiert und eine uneingeschränkte Kommunikation mit dem Gesprächspartner ermöglicht.

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