Hörgeräte - jetzt oder später?

Hörgeräte – Noch warten? Oder lieber frühzeitig anfangen?

Artikel aktualisiert am 24.06.2020

Hörgeräte sind wunderbare kleine Alltagshelfer. Sie machen verloren geglaubte Klänge wieder hörbar und Sprache wieder verständlich. Dennoch grübeln immer wieder viele Menschen: Sollte ich frühzeitig ein Hörgerät tragen? Oder ist es besser zu warten? Die Antwort lautet ganz klar: Frühzeitig beginnen!

Unser Gehör ist ein komplexes Gebilde. Da gibt es die periphere Hörbahn, die aus äußerem Ohr, Mittelohr und Innenohr besteht. Danach geht es weiter auf die zentrale Hörbahn. Das sind die Nervenverknüpfungen, die vom Innenohr über verschiedene Schaltstellen bis zum Hörzentrum im Gehirn verlaufen. Die Funktionsfähigkeit der zentralen Hörbahn hängt unmittelbar davon ab, wie schnell ein vorhandenes Hördefizit mit Hörgeräten ausgeglichen wird.

Hörnerven wollen benutzt werden

Schallsignale gelangen über feine Haarsinneszellen im Innenohr auf die dahinterliegenden Nervenzellen. Wenn das Innenohr jedoch geschädigt ist, dann werden immer weniger Hör-Impulse auf die Nerven übertragen. Unser Körper arbeitet sehr effizient und baut alle Strukturen ab, die nicht mehr gebraucht werden. Das betrifft leider auch die Hörnerven, wenn auf den entsprechenden Frequenzen über längere Zeit kein Input mehr kommt. Die Nervenzellen werden nicht mehr benutzt, also bilden sie sich nach einiger Zeit zurück. Im Gehirn kommt nur noch ein kleiner Teil der ursprünglichen Information an. Die Konsequenzen sind schwerwiegend:

  • Wichtige Sprachanteile können nicht mehr erkannt werden.
  • Es tritt eine Hörentwöhnung ein.
  • Der Höreindruck entspricht nicht mehr der Realität, er ist dumpfer, leiser und weniger differenziert als bei einem Normalhörenden.
  • Die Höranstrengung wird größer, der Konzentrationsaufwand bei Unterhaltungen wird immer höher.
  • Man ermüdet schneller.
  • Wichtige akustische Informationen gehen verloren.
Nervengeflecht

Lassen sich diese Erscheinungen umkehren?

Wenn man frühzeitig beginnt, ein Hörgerät zu tragen, dann werden die betroffenen Nervenzellen wieder stimuliert. Eine Hörentwöhnung lässt sich so vermeiden. Es ist auch möglich, dass durch den akustischen Input verlorene Nervenverbindungen wieder hergestellt werden. Das gelingt umso besser, je schneller man sich zum Tragen eines Hörgerätes entschließt.

Welche Vorteile bringt das frühzeitige Tragen eines Hörgeräts?

  • Die Verstehfähigkeit bleibt deutlich länger erhalten. Selbst wenn im Innenohr weitere Haarsinneszellen kaputt gehen, kann die Sprachverständlichkeit auf einem hohen Niveau gehalten werden. Dafür müssen die entsprechenden Nervenfasern optimal stimuliert werden.
  • Die Gewöhnung an Hörgeräte erfolgt viel leichter und schneller, weil man sich vom realen Klang der Umgebung noch nicht so sehr entfremdet hat.
  • Man benötigt nicht so viel Energie und Konzentration zum Zuhören. Diese Energie steht für andere kognitive Prozesse zur Verfügung. Man ermüdet nicht so schnell.
  • Wird das Gehör durch Hörgeräte noch mehr geschädigt?

Nein. Hörgeräte haben eine integrierte Schutzfunktion, sie werden nicht unendlich laut. Der Hörakustiker misst die individuelle Grenze, bei der Schall unangenehm laut wird. Auf dieser Basis programmiert er anschließend eine Lautstärkebegrenzung. Dadurch wird sichergestellt, dass das Gehör nicht weiter belastet wird.

Wenn Sie sich das nächste Mal fragen, ob es klug ist, frühzeitig zum Hörgerät zu greifen, dann überlegen Sie folgendes:

Möchten Sie sich weiterhin quälen, immer wieder nachfragen? Wollen Sie wirklich anstrengende Unterhaltungen führen, bei denen Sie mehr raten als verstehen? Und wollen Sie anschließend todmüde ins Bett fallen? Oder haben Sie eher Lust auf entspannte Gespräche, die mühelos fließen? Auf Unterhaltungen, bei denen Sie sich eher auf den Inhalt als aufs Zuhören konzentrieren können? Entscheiden Sie sich für den leichten Weg – kümmern Sie sich rechtzeitig um Hörgeräte!

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