Familienangelegenheit
Der skandinavische Hörgerätehersteller Oticon hat aus dem Hörsystem
Delta zur Messe 2006 eine komplette Familie gemacht: Delta 8000, 6000 und
4000 sind ab sofort verfügbar. Die Größe der Zahlen gibt
dabei die Leistungsfähigkeit der Geräte an. Je geringer, desto
weniger kann das Gerät. Desto geringer ist jedoch auch der Preis.
Äußerlichkeiten
"Delta ist das Schönste, was es je zum Thema Hören gab!" behauptet
der Hersteller selbstbewusst und setzt damit deutlich auf die äußeren
Werte des Hörsystems. Und tatsächlich: Unsere Akustiker berichten
immer wieder
über erstaunte Menschen, die das Delta von allen Seiten begutachten
und dann fragen: "Das ist ein Hörgerät?"
Delta hat eine ungewöhnliche Form. Es ist so klein, dass es trotz seines kantigen Designs angenehm hinter dem Ohr zu tragen ist. Das kompakte Gehäuse verträgt sich meist auch mit Brillenbügeln hervorragend.
In sage und schreibe 17 verschiedenen Farben und Dekors ist das Hörsystem lieferbar. Einige davon erinnern stark an trendigen Modeschmuck, andere haben einen gediegenen Charakter.
Das Mikrofonkonzept
Delta ist eines der wenigen Hörsysteme am Markt, die einen ausgelagerten
Lautsprecher besitzen. Dies dient nur in zweiter Linie der Größe
(solche Geräte können sehr klein sein), in erster Linie unterstützt
es den Klang des Gerätes. Der Lautsprecher sitzt am Ende eines dünnen
Verbindungskanals im Gehörgang. Dadurch wird der Schall direkt dort
produziert, wo er auch gehört werden soll: Im Ohr. Weniger Schalldruck
ist notwendig, weniger Verzerrungen entstehen, die Gefahr von Rückkopplungen
(Pfeifen) sinkt, der Klang ist meist besser als bei vergleichbaren Systemen.
Allerdings kann so ein Lautsprecher auch leichter kaputt gehen, denn er
ist täglich Feuchtigkeit und Ohrenschmalz ausgesetzt.
Außen hui, innen auch hui?
Delta legt großen Wert auf die äußeren Werte. Dabei brauchen
sich seine inneren Qualitäten nicht zu verstecken: Das Spitzengerät
(Delta 8000) hat einen großen Frequenzumfang, hat 8 Kanäle mit
an Bord und besitzt Richtmikrofone, die in der Lage sind, Sprachsignalen
in lärmvoller Umgebung zu folgen.
Oticon spricht im Zusammenhang mit Delta von "künstlicher Intelligenz". Nun, so weit würden wir nicht gehen. Trotzdem ist das Vorgehen des Hörsystems interessant: In allen Kanälen werden die eintreffenden Schallereignisse kontinuierlich analysiert. Je nach Signalstruktur entscheidet das System nahezu in Echtzeit, welche Verarbeitungsstrategie es für die derzeitige Umgebung zugrunde legen soll. Parallel dazu werden Kontrollberechnungen durchgeführt, die überprüfen, ob sich die aktuelle Strategie noch verbessern lässt.
Wohlgemerkt: Delta ist vollautomatisch. Außer Einsetzen und Einschalten verlangt es seinem Träger keine Interaktionen ab. Umso wichtiger ist das, was der Hörgeräteakustiker vor Ort aus den Fähigkeiten des Delta macht. Delta kann immer nur so gut sein, wie es der Akustiker an den Hörgeräteträger adaptiert.
Kein Dauerläufer
Die minimale Größe von Delta hat ihren Preis: Im Delta kommen äußerst
kleine Batterien zum Einsatz, die nicht sehr lange halten. Je nach Tragegewohnheit
und Einstellung kann es sein, dass bereits nach 3 oder 4 Tagen die Batterien
gewechselt werden müssen.
Was uns sonst noch auffiel
Delta ist in erster Linie für leichte bis mittlere Hörverluste
geeignet. Oticon hat schnell erkannt, dass auch Menschen mit größeren
Hörverlusten eine möglichst diskrete Hörgerätetechnik
wünschen. Daraufhin hat man den Bass-Fixierschirm und die Delta-Otoplastik
eingeführt. Der Bass-Schirm sorgt für 10 Dezibel mehr Leistung,
die Otoplastik ermöglicht, auch Hörverluste bis zu 70 Dezibel
Hörverlust zu versorgen. Grundsätzlich ist Delta bei stärkeren
Hörverlusten einen Test wert, oft werden andere Hörgeräte
unter Umständen jedoch die sinnvollere Alternative sein. Besonders
unter dem Gesichtspunkt der Reserve sollte man vor einer Entscheidung mit
dem Hörgeräteakustiker über die Grenzen von Delta sprechen.
Einschätzung des HörShop-Teams:
Delta ist ein "Renner". Zwar lässt es sich nicht auf jeden
Hörverlust anpassen, die avantgardistische Form, das kleine Gehäuse
und das außergewöhnliche Lautsprecherkonzept sorgen jedoch dafür,
dass Delta in vorderster Reihe der optischen und technischen Innovationen
tanzt.
Wer Delta trägt, der muss sich darüber im klaren sein, dass die winzigen Batterien im Gerät häufiger gewechselt werden müssen als in so manchem anderen Hörgerät. Die neuen Varianten (6000 und 4000) sind technisch abgespeckte Typen mit einem schlechteren Frequenzgang und Nachteilen bei den Richtungsmikrofonen. Ein Tragevergleich ist hier wichtig. Das Delta 8000 bietet ausgefeilte (und ausgereifte) Technik, die sich an Hörsituationen automatisch anpasst. Sprachverstehen steht dabei im Mittelpunkt der Verarbeitungsstrategien.
Der Preis ist je nach Gerätetyp und Ausstattung unterschiedlich. Die 8000er Spitzenvariante liegt meist deutlich über 2000 Euro, das Delta 4000 wird aktuell meist um die 1000 Euro für gesetzlich Versicherte angeboten.
HörShop-News vom 19.10.2006, Herstellerlink: http://www.mein-delta.de/
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