
Dieser Beitrag ist ein weiterer Teil unserer Serie zu den häufigsten Frustfaktoren bei Hörgeräten. Nachdem wir uns bereits mit Klangempfinden und Passform beschäftigt haben, geht es diesmal um ein Phänomen, das viele Betroffene verunsichert: das Pfeifen eines Hörgeräts.
„Plötzlich hat es gepfiffen.“
„Beim Umarmen fängt es an zu pfeifen.“
„In der Ladeschale macht es ein Geräusch.“
Solche Situationen wirken auf viele Träger zunächst alarmierend. Schnell entsteht der Eindruck, das Hörgerät sei defekt oder falsch eingestellt.
In Wirklichkeit handelt es sich dabei meist um eine sogenannte Rückkopplung. Sie entsteht, wenn verstärkter Schall aus dem Lautsprecher wieder zum Mikrofon des Hörgeräts gelangt. Das Gerät verstärkt diesen Schall erneut, wodurch ein Kreislauf entsteht. Das Ergebnis ist der typische Pfeifton.
Entscheidend ist dabei: Nicht jedes Pfeifen bedeutet ein Problem.
Inhaltsverzeichnis
Hörgeräte verstärken Schall sehr stark. Damit Sprache gut verständlich wird, müssen sie teilweise sehr leise Signale hörbar machen.
Gelangen diese verstärkten Signale wieder zurück zum Mikrofon, entsteht ein akustischer Kreislauf. Das Gerät „hört“ gewissermaßen seinen eigenen Lautsprecher.
Normalerweise verhindern moderne Hörgeräte solche Rückkopplungen durch spezielle Algorithmen. Trotzdem können bestimmte Situationen kurzfristig dazu führen, dass ein Pfeifen entsteht.
Ein kurzes Pfeifen beim Einsetzen des Hörgeräts ist häufig unproblematisch. In diesem Moment befindet sich das Gerät noch außerhalb oder teilweise außerhalb des Gehörgangs. Der verstärkte Schall kann leicht zum Mikrofon zurückgelangen.
Auch beim Herausnehmen oder beim Einschalten kann kurzzeitig ein Pfeifton auftreten.
Eine weitere typische Situation ist körperliche Nähe. Beim Umarmen oder wenn ein Schal, eine Mütze oder ein Kissen nah an das Hörgerät kommt, kann Schall reflektiert und zum Mikrofon zurückgeworfen werden.
Solche kurzen Rückkopplungen sind meist technisch erklärbar und kein Hinweis auf einen Defekt.
Anders sieht es aus, wenn das Hörgerät regelmäßig im Alltag pfeift.
Häufige Ursachen können sein:
Wenn Schall ungehindert aus dem Ohr entweichen kann, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er wieder vom Mikrofon aufgenommen wird.
In solchen Fällen lohnt sich eine Überprüfung der Passform oder der akustischen Einstellung.
Viele Hörakustiker arbeiten in Abhängigkeit zum Hörverlust mit sogenannten offenen Anpassungen. Dabei wird der Gehörgang bewusst nicht vollständig verschlossen.
Diese Bauweise sorgt für ein natürlicheres Klangempfinden und reduziert Okklusion. Gleichzeitig erhöht sie jedoch die Gefahr, dass verstärkter Schall wieder nach außen gelangt.
Das Hörgerät muss also eine Balance finden zwischen ausreichender Verstärkung und stabiler Rückkopplungsunterdrückung.
Je nach Hörverlust kann diese Balance sehr unterschiedlich ausfallen.
Ein Hörgerät funktioniert akustisch nur dann stabil, wenn der Schall kontrolliert im Ohr ankommt.
Sitzt ein Schirmchen zu locker oder hat sich eine Otoplastik über die Zeit verändert, kann Schall leichter entweichen. Dadurch steigt das Risiko für Rückkopplungen.
Auch kleine Veränderungen können hier eine Rolle spielen. Ohrgewebe verändert sich im Laufe der Zeit, und auch Cerumen kann die akustischen Bedingungen beeinflussen.
Deshalb gehört die regelmäßige Überprüfung der Passform zu einer langfristig stabilen Versorgung.
Auch bei Rückkopplungen spielt die Reinigung eine wichtige Rolle.
Cerumen im Gehörgang oder im Hörgerät kann den Schallweg verändern. Dadurch entstehen unerwartete Reflexionen oder Druckverhältnisse im Ohr.
Auch eine verstopfte Belüftungsbohrung kann das akustische Gleichgewicht verändern.
Regelmäßige Reinigung sorgt deshalb nicht nur für Hygiene, sondern auch für stabile akustische Bedingungen.

Hier finden Sie alles Wichtige zur Reinigung von Hörgeräten: Warum, wann und wie?
Manche Nutzer beobachten, dass ein Hörgerät sogar in der Ladeschale kurz pfeift oder ein hochfrequentes Geräusch erzeugt. Das wirkt zunächst irritierend.
Die Ursache ist meist ähnlich wie bei einer normalen Rückkopplung. Wenn ein Hörgerät noch eingeschaltet ist und nicht vollständig im Ohr sitzt, kann der verstärkte Schall frei in die Umgebung abstrahlen und wieder zum Mikrofon gelangen.
Auch eine teilweise Abdeckung des Mikrofons oder ungewöhnliche Reflexionen innerhalb der Ladeschale können solche Effekte begünstigen.
Viele moderne Hörgeräte schalten sich beim Einsetzen in die Ladeschale automatisch aus. Passiert das nicht sofort oder wird das Gerät kurz bewegt, kann ein kurzer Pfeifton entstehen.
Solche Geräusche sind in der Regel technisch erklärbar und kein Hinweis auf einen Defekt.
Wenn ein Hörgerät jedoch regelmäßig oder dauerhaft in der Ladeschale pfeift, sollte die automatische Abschaltfunktion überprüft werden.

In diesem Artikel finden Sie noch etwas mehr Informationen zum Thema: Rückkopplungen – schauen Sie gerne rein.
Ein kurzer Pfeifton bedeutet nicht automatisch, dass etwas mit dem Hörgerät nicht stimmt.
Rückkopplungen entstehen häufig durch akustische Wechselwirkungen zwischen Gerät, Ohr und Umgebung.
In vielen Situationen sind sie technisch erklärbar und unproblematisch. Treten sie jedoch regelmäßig auf, lohnt sich eine Überprüfung von Passform, Reinigung und Einstellung.
Im nächsten Teil unserer Serie widmen wir uns einem weiteren Frustfaktor im Hörgerätealltag: Bluetooth und Apps – Wenn moderne Technik kompliziert wird
Autoreninfo







