IP68: Was Sie bei Schutzklassen der Hörgeräte beachten sollten - Hörgeräte-News
Hörgerät im Wasser durch IP68 geschützt

IP68: Was Sie bei Schutzklassen der Hörgeräte beachten sollten

IP68 ist die höchste Schutzklasse, die Hörgeräte derzeit erreichen. Eigentlich handelt es sich dabei im fachlichen Sinne um die „Schutzart“. Die Hersteller können sich die Schutzart nicht einfach selber geben, sondern müssen ihre Hörsysteme durch ein Zertifizierungsverfahren führen, um die Schutzart bei ihrem Produkt führen zu dürfen. IP-Schutzklassen sind europaweit genormt.

Was bedeuten IP57, IP58, IP67 und IP68 bei Hörgeräten?

IP ist die Abkürzung für „International Protection“. In der Hörakustik geht es vor allem um die Schutzklassen 57, 58, 67 und 68. Dabei stehen die erste und zweite Ziffer jeweils für unterschiedliche Dinge.

Die erste Kennziffer des IP-Codes beschreibt den Schutz gegen das Eindringen von festen Fremdkörpern wie Staub oder Sand. Bei Hörgeräten findet man die Ziffern 5 und 6:

  • 5: Staubgeschützt
  • 6: Staubdicht

Die zweite Ziffer zeigt den Schutzgrad gegen das Eindringen von Flüssigkeiten. In der Hörakustik haben sich inoffizielle Standards etabliert:

  • 7: Zeitweiliges Untertauchen in Süßwasser (max. 30 min, bis 1 m Tiefe)
  • 8: Dauerndes Untertauchen (max. 60 min, bis 1,5 m Tiefe)

IP-Schutzklassen in der Hörakustik

  • IP57 – Das Hörgerät ist wirksam vor schädlichen Staubablagerungen geschützt und übersteht ein versehentliches, kurzes Untertauchen in Süßwasser (bis zu 30 Minuten bei 1 Meter Tiefe) unbeschadet.
  • IP58 – Neben einem wirksamen Schutz gegen das Eindringen von Staub bietet diese Stufe eine erweiterte Dichtigkeit bei dauerhafterem Kontakt mit Süßwasser über die Standardvorgaben hinaus.
  • IP67 – Dieses System ist vollständig staubdicht versiegelt und bietet damit höchste Sicherheit in partikelreichen Umgebungen sowie verlässlichen Schutz bei zeitweiligem Untertauchen in Süßwasser.
  • IP68 – Der Premium-Standard für maximale Robustheit: Das Gehäuse ist absolut staubdicht und für dauerhaftes Untertauchen in Süßwasser konstruiert, was die derzeit bestmögliche Barriere gegen Feuchtigkeit und Schweiß im aktiven Alltag darstellt.

Grundsätzlich können Sie davon ausgehen, dass Ihre Hörgeräte einem Spaziergang im Regen standhalten und auch nicht gleich kaputtgehen, wenn sie mal aus Versehen ins Wasser fallen. Wenn das wirklich passiert: Holen Sie Ihre Hörgeräte schnellstmöglich aus dem Wasser, trocknen Sie sie mit einem sauberen Tuch ab und legen Sie sie an einen trockenen Ort. Verweiden Sie aber zu viel Hitze, also bitte nicht auf die Heizung oder hinter die Autoscheibe legen und bitte auch nicht föhnen. Sollte das Gerät eine Batterie haben, nehmen Sie diese heraus und lassen Sie die Klappe offen.

Wie gut schützt IP68 gegen Schweiß?

Soweit die Theorie und die Laborbedingungen mit Wasser. In der Praxis kann es zu Einschränkungen kommen. Salzwasser, Säuren, Laugen, Alkohole oder anderen Flüssigkeiten unterscheiden sich von klarem Wasser, so wie es im Labor mit den Hörgeräten getestet wird.

Schweiß ist eine komplexe Mischung aus Wasser, Natriumchlorid, Laktat, Aminosäuren und Harnstoff. Bei starker Schweißbildung und langem Kontakt mit den Dichtungsstellen kann Schweiß die Dichtungen beschädigen und porös machen. So kann der Schweiß ins Innere eindringen, obwohl das Hörgerät eine IP68, also die höchste Schutzklasse besitzt.

Unserer Erfahrung nach lässt sich nicht zuverlässig voraussagen, ob ein Hörgerät über viele Jahre zuverlässig dem menschlichen Schweiß trotzen kann. Bei der Schweißeinwirkung sind zu viele Variablen im Spiel:

  • Die Zusammensetzung des Schweißes.
  • Wie groß ist die Auflagefläche und wo liegt das Hörgerät auf der Haut.
  • Befindet sich das Hörgerät in den Haaren?
  • Sind Helme, Hüte oder Kopfbänder im Spiel?
  • Wie lange wird das Hörgerät dem Schweiß ausgesetzt?
  • Werden regelmäßig Trocknungsmaßnahmen durchgeführt?

Eine hohe IP-Schutzart ist keine Garantie für einen zuverlässigen Schutz gegen Schweiß. Ganz grundsätzlich kann man aber sagen: Ein IP68-Gerät wird Schweiß länger widerstehen, als ein IP57 oder ein Gerät ohne Schutzart. Wenn Sie also zu starkem Schwitzen neigen, wählen Sie Hörgeräte mit hoher Schutzklassifizierung.

Chlor und Salzwasser

Gechlortes Wasser kann mechanische Gummidichtungen angreifen und spröde werden lassen. Salzwasser ist ebenfalls gefährlich: Beim Trocknen können sich winzige Salzkristalle bilden, die sich auf Dichtungen ablagern und bei mechanischer Beanspruchung (z.B. Öffnen und Schließen der Batterieklappe) wie ein Schleifmittel wirkt. Beschädigte Dichtungen lassen Wasser ins Innere des Hörgerätes dringen, was zu erheblichen Schäden führen kann.

Shampoo und Duschgel

Die IP-Schutzklassentests werden mit reinem Süßwasser durchgeführt. Tenside in Seifen und Shampoos verändern jedoch die Oberflächenspannung des Wassers. Das kann nun selbst durch feinste Mikrofonöffnungen oder Membranen dringen, die für reines Wasser undurchlässig wären. Deshalb sollten Hörgeräte vor dem Duschen, Baden, Waschen unbedingt abgelegt werden.

Warum haben Im-Ohr-Geräte keine Schutzklasse?

Am Anfang des Beitrages haben wir erwähnt, dass Hersteller ihre Hörsysteme durch ein Zertifizierungsverfahren führen müssen.

Bei der Produktion standardisierter Geräte hinter dem Ohr finden keine individuellen Herstellungsprozesse statt, so dass ein Gerätetyp nur einmal dieses Verfahren durchlaufen muss.

Im-Ohr-Geräte werden dagegen für jeden Kunden nach einem Abdruck des Gehörganges maßgefertigt. Die Verfahren zur Sicherung der Elektronik ist das selbe wie bei Standardgeräten. Um jedoch eine feste Schutzart für diese Geräte zugewiesen zu bekommen, müsste jedes einzelne Hörgerät eigenständig das Zertifizierungsverfahren durchlaufen, was praktisch nicht möglich ist.

Aus diesem Grund besitzen Im-Ohr-Geräte keine eigene Schutzklasse, sind deshalb aber unter Berücksichtigung nachfolgender Tipps erfahrungsgemäß nicht anfälliger als zertifizierte Standardgeräte.

Möchten Sie mehr Informationen zur Anfertigung von Im-Ohr-Geräten, deren Vorteile und den unterschiedliche Baugrößen haben? Dieser Blog-Beitrag lässt keine Fragen offen.

Tipps für noch mehr Schutz

Wenn Sie Ihre Hörgeräte nicht nur klarem Wasser aussetzen, sondern z.B. stark schwitzen, dann haben wir einige Tipps, die Sie beachten können, um weniger Probleme im Laufe der Lebensspanne Ihrer Hörgeräte zu haben:

  • Trocknung: Thermische Trockengeräte können dazu beitragen, dass Feuchtigkeit schneller wieder aus dem Innenleben der Hörgeräte verschwindet. Der Umstand, dass wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann in Verbindung mit einem gleichmäßigen Luftzug macht solche Trockengeräte zu einem sinnvollen Zubehör.
  • Wichtig bei Hörgeräten mit Batteriefach: Öffnen Sie das Fach und entnehmen Sie die Hörgeräte-Batterie vor dem Trocknungsvorgang.
  • Dichtungen: Lassen Sie die Dichtungen Ihres Hörsystems überprüfen und ggf. austauschen, wenn Schweiß in den Innenbereich eintritt.
  • Akkuhörgeräte: Diese Hörgeräte haben meist keine von außen zugängliche Energiezelle. Dadurch sind sie abgeschlossener und unempfindlicher gegen Schweißeinflüsse.
Ein Akku-Hörgerät mit einer Schutzart IP 68 hat keine Batterieklappe
Der kleine Unterschied: Hier unten sitzt die Batterieklappe eines Hörgerätes. Bei Akkuhörgeräten, wie in diesem Beispiel, fehlt dieses Teil. Der Akku ist fest im Gehäuse verbaut. So werden Spalten und bewegliche Teile vermieden. Das schützt noch besser vor äußeren Einflüssen.

Übersicht: Hörgeräte mit der höchsten Schutzart IP68

Wir haben für Sie alle Hörgeräte mit der höchsten Schutzart IP68 in unserem System zusammengestellt. Für alle diese Hörsysteme gilt: Sie sind durch unser Bewertungssystem gegangen und haben Testnoten erhalten. Sie sehen die Ergebnisse nach Testnoten aufsteigend sortiert, also die Hörgeräte mit den besten Gesamtnoten zuerst:

Mehr Infos zum Thema

FAQ

Schützt IP68 bei Hörgeräten gegen Schweiß?

Die IP-Zertifizierung bezieht sich immer nur auf den Schutz vor normalem Wasser. Über den Schutz vor anderen Flüssigkeiten macht die IP-Klasse keine Aussage. Da Schweiß unterschiedliche Bestandteile besitzt, ist ein Eindringen trotz hoher IP-Klasse möglich. Dennoch ist davon auszugehen, dass z.B. ein IP 68 besser gegen Schweiß schützt als ein IP57 oder gar keine Schutzart.

Was kosten Hörgeräte mit IP68

Im Gegensatz zu vielen akustischen Ausstattungen sind die Schutzarten von Hörgeräten (IP57, IP58, IP67, IP68) meist über alle Hörgeräte eine Familie gleich. Das bedeutet: Das günstigste und teuerste Hörgerät einer Familie besitzt einen gleich guten Schutz vor Wasser und Staub. Alle Preisklassen und Filtermöglichkeiten nach IP-Schutzart finden Sie in unserem Hörgeräte-Vergleich.