
Wer sich aktuell online mit dem Thema Hörsysteme beschäftigt, stößt schnell auf den Begriff „Im-Ohr-Hörgeräte“. Viele Hersteller setzen gezielt auf diese besonders unauffällige Bauform, mit der sich heute ein Großteil gängiger Hörverluste versorgen lässt. Doch was steckt technisch dahinter und welche Vorteile bietet diese Form der Hörgeräteversorgung im Alltag?
Inhaltsverzeichnis

Jedes Im-Ohr-Hörgerät wird individuell für den jeweiligen Träger gefertigt und passt sich exakt den anatomischen Gegebenheiten des Gehörgangs an. Grundlage dafür ist eine Abformung der Ohren durch den Hörakustiker, die nur wenige Minuten dauert und vollkommen schmerzfrei ist. Alternativ kann in bestimmten Fällen auch eine kontaktlose Vermessung per 3D-Ohrscanner erfolgen.
Die Abformung wird vor Ort bearbeitet und anschließend an das Labor eines spezialisierten Herstellers geschickt, zusammen mit der Hörkurve des späteren Trägers. Fachleute fertigen daraufhin eine Schale, in der die komplette Technik des vorher bestimmten Hörgeräts bereits verbaut ist.
Die individuelle Maßanfertigung eines Im-Ohr-Hörgeräts sorgt für einen optimalen und sicheren Sitz im Gehörgang. Für den Nutzer bedeutet das, dass im Alltag weder die Sorge besteht, das Hörgerät zu verlieren, noch die Gefahr, dass es zu tief in den Gehörgang rutschen könnte. Das Ergebnis ist ein sehr angenehmes und unaufdringliches Tragegefühl.
Neben diesem Komfort bietet die Im-Ohr-Bauform auch deutliche akustische Vorteile, die sich positiv auf das Hören und Sprachverstehen auswirken. Entscheidend dafür ist die Position des Lautsprechers. Dieses Bauteil erzeugt den für uns wahrnehmbaren Schall und sitzt am unteren Ende der individuell angepassten Schale, also in unmittelbarer Nähe zum Trommelfell. Der Weg, den das ausgegebene Signal bis dorthin zurücklegen muss, ist im Vergleich zu anderen Bauformen besonders kurz. Dadurch werden Schallverluste und Verzerrungen weitgehend vermieden, was zu einem sehr klaren, natürlichen Höreindruck führt.
Ein weiterer wichtiger Vorteil von Im-Ohr-Hörgeräten ist das hervorragende räumliche Hören. Normalerweise sorgen unsere Ohrmuscheln und ihr Sitz am Kopf für den gewohnten 3D-Klang. Herkömmliche Hinter-dem-Ohr-Geräte, müssen dieses räumliche Hören künstlich nachbilden. Hier sind die Im-Ohr-Hörgeräte klar im Vorteil, denn sie erhalten die Ohrmuschelfunktion auf ganz natürliche Weise.

Die individuelle Fertigung der Hörgeräte erfordert etwas Geduld. Abhängig von der Auslastung des jeweiligen Herstellers kann zwischen Auftragserteilung und Auslieferung ein Zeitraum von ein bis drei Wochen liegen.
Zeigt sich bei der ersten Anprobe, dass sich das Hörgerät durch die natürliche Bewegung des Gehörgangs beim Sprechen oder Kauen leicht herausbewegt oder Druckstellen verursacht, ist eine Anpassung der Schale erforderlich. Diese sogenannte Schalenmodifikation nimmt ebenfalls zusätzliche Zeit in Anspruch, um einen optimalen Sitz und hohen Tragekomfort sicherzustellen.

Bei diesen Im-Ohr-Hörgeräten handelt es sich um Modelle, die ohne individuelle Anfertigung sofort einsatzbereit sind. Sie verfügen über eine universelle Bauform. Für den sicheren Halt im Gehörgang werden die Geräte entweder mit einem Schirmchen oder mit einer individuell gefertigten Otoplastik kombiniert. Die Unterschiede zwischen Schirmchen und Otoplastik haben wir in einem separaten Artikel für Sie ausführlich zusammengefasst.
Diese Geräte hat das Fachgeschäft, sofern sie dort grundsätzlich erhältlich sind, vorrätig. Die Anpassung kann durch die ebenfalls vorrätigen Schirmchen in der Regel sofort erfolgen. Entsteht ein Druckgefühl im Gehörgang kann dieses Problem noch vor Ort durch einen Austausch des Schirmchens behoben werden.
Aufgrund der universellen Bauform lassen sich individuelle Besonderheiten des Gehörgangs sowie die Ergebnisse Ihrer Hörmessung nur eingeschränkt berücksichtigen.
Durch die modulare Bauweise kann sich zudem leicht Schmutz im Übergangsbereich zwischen Hörgerät und Schirmchen ablagern, was die Reinigung etwas anspruchsvoller macht.
Werden Instant-Fit-Geräte mit einem Schirmchen getragen, ist auch das Einsetzen häufig schwieriger. Eine maßgefertigte Otoplastik positioniert das Hörgerät dagegen automatisch anatomisch und akustisch korrekt im Gehörgang. Ein Schirmchen bietet hingegen viel Spielraum, was sich deutlich auf die Klangübertragung und damit auf das Sprachverstehen auswirken kann. Eine ausführliche Erklärung mit entsprechenden Messergebnissen finden Sie hier:
Im-Ohr-Hörgeräte gibt es in verschiedenen Ausführungen, sodass alle Wünsche berücksichtigt werden können. Die Größenklassen tragen zum Teil kryptische Buchstabenbezeichnungen. Je nach Bezeichnung variiert die Größe der Im-Ohr-Hörgeräte jedoch stark:
Bei der Darstellung der Gerätegrößen verzichten wir bewusst auf Fotos, die Hörgeräte im Ohr zeigen. Der Grund dafür ist, dass die tatsächliche Sichtbarkeit stark von individuellen Faktoren abhängt. Anatomie des Gehörgangs, Art und Ausprägung des Hörverlustes sowie die technische Ausstattung und Bauform des jeweiligen Hörgeräts beeinflussen maßgeblich, wie unauffällig ein Im-Ohr-Hörgerät im Alltag tatsächlich ist. Stark idealisierte oder geschönte Produktbilder können daher Erwartungen wecken, die unter realen Bedingungen nicht immer erfüllt werden.
Gerade diese Vielzahl an Anpassungs- und Ausstattungsmöglichkeiten macht Im-Ohr-Hörgeräte jedoch zu einer sehr flexiblen und zugleich dezenten Versorgungsform. Wie unauffällig und angenehm sich ein solches Hörgerät im eigenen Alltag anfühlt, lässt sich am besten durch einen persönlichen Test beurteilen – eine Erfahrung, die wir ausdrücklich empfehlen.
Wie bei Hinter-dem-Ohr-Hörgeräten haben Sie auch bei Im-Ohr-Hörgeräten inzwischen die Möglichkeit, zwischen zwei Energieversorgungsarten zu wählen. Neben der klassischen Batterie stehen heute auch moderne Akku-Lösungen zur Verfügung, die je nach Modell unterschiedliche Vorteile in Bezug auf Handhabung, Laufzeit und Alltagstauglichkeit bieten.
Derzeit sind mehrere Im-Ohr-Hörgeräte mit Akku auf dem Markt erhältlich. Aufgeführt sind hier die jeweiligen Originalmodelle der Hersteller, die zum Teil auch unter anderen Bezeichnungen vertrieben werden. Hinter diesen alternativen Namen verbergen sich jedoch technisch identische Geräte. Ausführliche Hintergrundinformationen dazu finden Sie in unserem Artikel zum Thema Eigenmarken.


Vergleichen wir die aktuellen Akku-Im-Ohr-Hörgeräte einmal näher: Im Folgenden sehen Sie, wie sich die verschiedenen Modelle in wichtigen Merkmalen unterscheiden und welche Eigenschaften sie jeweils auszeichnen. So gewinnen Sie einen klaren Überblick und können besser einschätzen, welches Gerät am besten zu Ihren persönlichen Bedürfnissen passt.
| Hersteller Bauform | Technik | Taster am Gerät | Bluetooth | Aufladung | App-Nutzung |
|---|---|---|---|---|---|
| Starkey CIC R | Signature Series (2024) | ja (optional) | nein | Kontakt | ja |
| Signia Silk / AudioService IF | Signia IX (2024) AudioService G8 (2024) | nein | nein | Kontakt | ja |
| Signia Insio Charge&go | Signia IX (2025) | nein | nein | Kontakt | ja |
| Audio Service LI | G7 (2021) | ja | ja | induktiv | ja |
| Signia Active | Signia IX (2024) | nein – dafür Tap Control | ja | induktiv | ja |
| Starkey ITC R | Omega AI (2025) | ja (optional) | ja | Kontakt | ja |
| ReSound ITC R | Nexia (2024) | ja | ja | induktiv | ja |
| Widex ITE | Allure (2025) | ja | ja | induktiv | ja |
| Phonak Virto I-R | Infinio (2024) | ja | ja | Kontakt | ja |
| Oticon Zeal CIC R | Intent (2024) | nein – dafür Tap Control | ja | Kontakt | ja |
Der am Hörgerät integrierte Taster erlaubt eine einfache und direkte Bedienung, etwa zur Anpassung der Lautstärke, zum Wechsel des Hörprogramms oder – exklusiv bei Starkey – zur Aktivierung einer Echtzeit-Analyse der Hörumgebung. Beim Einsetzen der Hörgeräte ist jedoch etwas Aufmerksamkeit gefragt, da der Taster dabei unbeabsichtigt betätigt werden kann. Sollte sich das als störend erweisen, lässt sich die Taste auch deaktivieren, sodass ein versehentliches Auslösen ausgeschlossen ist. In diesem Fall ist für bestimmte Einstellungen allerdings eine alternative Bedienmöglichkeit erforderlich, etwa über eine App oder Fernbedienung.
Die Aufladung der Hörgeräte sowie die damit verbundenen Vor- und Nachteile haben wir bereits in einem separaten Artikel detailliert dargestellt und dort umfassend erläutert.
Batteriebetriebene Hörgeräte bieten vor allem Vorteile bei der Miniaturisierung. Die verwendeten Zink-Luft-Knopfzellen benötigen deutlich weniger Platz als moderne Lithium-Ionen-Akkus und ermöglichen dadurch eine sehr kompakte Bauweise. Aus diesem Grund lassen sich batteriebetriebene Geräte wesentlich kleiner realisieren. Besonders diskrete Bauformen wie die IIC-Variante sind aktuell ausschließlich mit Batterie umsetzbar.
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da mehrere individuelle Faktoren eine Rolle spielen. Neben ästhetischen Ansprüchen sind unter anderem feinmotorische Fähigkeiten, persönliche Gewohnheiten und die konkrete Alltagsgestaltung entscheidend. Da dieses Thema für viele unserer Kundinnen und Kunden eine große Bedeutung hat, haben wir alle relevanten Aspekte für eine langfristig sinnvolle Entscheidung übersichtlich zusammengefasst und gegenübergestellt.
Bluetooth ist aus unserer Zeit nicht mehr wegzudenken. Warum sollte diese hilfreiche Funktion nicht auch bei den Im-Ohr-Hörgeräten immer mehr an Bedeutung gewinnen?
Folgende Im-Ohr-Hörgeräte sind mit einer Bluetooth-Option erhältlich, die Ihnen das Streamen von Telefonaten und Audiosignalen unterschiedlicher Quellen möglich macht:
Wir haben unsere Auflistung auf die aktuellsten Geräte beschränkt. Über unsere umfangreiche Hörgeräte Suche können Sie sich alle noch erhältlichen Im-Ohr-Hörgeräte mit der Möglichkeit zum direkten Streamen anzeigen lassen. Hier finden Sie auch die Vorgängermodelle.
Neben der Möglichkeit der Kopplung mit Ihrem Smartphone – die entsprechenden Kompatibilitätslisten der Hersteller haben wir Ihnen hier aufgelistet:
…. haben Sie außerdem die Möglichkeit, unterstützendes Zubehör mit den Hörgeräten zu verbinden. Hier haben Sie die Auswahl von einem TV Adapter zur Übertragung des Fernsehtons bis hin zu einem multifunktionalen Mikrofon, dass Sie für Vorträge und Meetings einsetzen können.
Welche Optionen von den einzelnen Herstellern angeboten werden, finden Sie in unserer Auflistung:
Im-Ohr-Hörgeräte bieten eine großartige Möglichkeit, den Klang des Lebens zurückzugewinnen – doch nicht alle Modelle sind vollständig unsichtbar. Hier kommt es auf die persönlichen Prioritäten an: Soll das Hörgerät möglichst unauffällig sein, oder sind zusätzliche technische Features wie Bluetooth-Konnektivität wichtiger? Die Wahl liegt bei Ihnen! Manche Modelle verschwinden nahezu im Gehörgang, während andere etwas sichtbarer sind, dafür aber mehr Funktionen bieten. Am Ende zählt, dass Sie sich mit Ihrer Entscheidung wohlfühlen und das Hörgerät optimal zu Ihrem Lebensstil passt. Lassen Sie sich beraten und finden Sie die perfekte Balance zwischen Ästhetik und Technik!
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