Paar Hörgeräte

Hörgeräte: Alles, was Sie wissen müssen

Hörgeräte werden dann zum gefragten Thema, wenn das Gehör nicht mehr so mitspielt, wie man sich das wünscht. Vielleicht hört man noch alles, aber das Verstehen wird anstrengender. Die Leute reden so undeutlich. Beim Spielfilm bekommt man nur noch die Hälfte mit. 

Wenn man sich sein Hörproblem eingesteht, ist die Lösung zum Greifen nahe: Hörgeräte können auf jeden Fall helfen. Die Vielfalt an Hörgeräten ist jedoch enorm. Welches ist das richtige? Was können Hörgeräte? Was kosten sie und wo kann man die kaufen? Unser Hörgeräte-Guide führt Sie durch alle Schritte.

Digitale Hörgeräte: Hightech für die Ohren

Hörgeräte sind heutzutage immer volldigital. Das bedeutet, dass im Gerät ein kleiner Hochleistungsprozessor steckt und keine einzelnen, sichtbaren Transistoren und Kondensatoren. Der Schall wird in digitalen Hörgeräten nicht einfach bloß verstärkt. Der Prozessor macht es möglich, die akustischen Signale ganz gezielt zu verändern und so klingen zu lassen, wie es der jeweilige Nutzer braucht und wünscht.

a) Was braucht der Hörgeräteträger?

Hier geht es vor allem um das Hörtestergebnis und die persönlichen Voraussetzungen. Wie hoch ist der Verstärkungsbedarf in den einzelnen Frequenzen? Welche Tonlagen brauchen mehr Unterstützung, welche weniger? Der Signalprozessor im Hörgerät berechnet die einzelnen Verstärkungswerte frequenzgenau. So kommt nur dort zusätzliche Lautstärke an, wo sie auch benötigt wird. Außerdem werden die persönlichen Lautstärkegrenzen beachtet, damit das Hörgerät nicht zu laut wird.

b) Was wünscht der Hörgeräteträger?

Der Hochleistungsprozessor kann direkten Einfluss nehmen auf die Übertragung der Nebengeräusche. Je nachdem, ob man sich stark oder weniger stark von Geräuschen gestört fühlt, können diese ganz nach Geschmack gedämpft werden. Das geschieht sogar unabhängig für unterschiedliche Geräuscharten. Hörgeräte können mit Wind anders umgehen als mit Staubsaugerlärm. Sie können Sprache anders übertragen als Musik. Das alles ist nur mit volldigitalen Signalprozessoren möglich.

EXPERTENTIPP: Wenn Sie ein Beratungsgespräch beim Hörakustiker buchen möchten, bereiten Sie sich vor. Notieren Sie sich die Hörsituationen, in denen Sie sich eine Verbesserung wünschen.

Hörgeräte-Bauformen: Hinter dem Ohr oder im Ohr

Die Bauformen werden nach ihrer Trageposition unterschieden. Entweder befindet sich das Gehäuse auf oder hinter der Ohrmuschel. Dann wird der Schall über ein Kabel oder Schlauch in den Gehörgang geführt. Oder die komplette Hörtechnik befindet sich in einer kleinen Schale und steckt im Gehörgang. Beide Varianten haben Besonderheiten und eignen sich für verschiedene Anforderungen.

Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO)

Drei Varianten werden unterschieden:

Links nach rechts: Dickschlauch-Hörgerät, Dünnschlauch-Hörgerät, RIC-Hörgerät

Dickschlauch

Das ist der Klassiker unter den Hörgeräten, schon seit Jahrzehnten verfügbar, aber durch seine Größe ein wenig ins Abseits geraten. Das Gehäuse mit der gesamten Hörtechnik sitzt hinter dem Ohr. Der verstärkte Schall wird in den sogenannten Hörwinkel abgegeben und dann über einen Plastikschlauch in den Gehörgang geleitet. Dort steckt der Schlauch in einem maßgefertigten Passstück (Otoplastik), das zur Befestigung und akustischen Abdichtung dient.

Dickschlauch-Hörgerät mit Beschriftung
Die gesamte Technik sitzt im Hörgeräte-Gehäuse. Über einen Plastikschlauch ist das mit einer Otoplastik verbunden.

Der Plastikschlauch ist relativ flexibel, muss aber etwa alle 3 Monate ausgetauscht werden. Akustisch ist dieses Schlauchsystem leider nicht so vorteilhaft. Die Schallwellen sind dort starken Reibungseffekten ausgesetzt. Besonders die hohen Töne gehen hier teilweise wieder verloren. Insgesamt sind die Dickschlauchgeräte relativ groß und werden von vielen Menschen als nicht so attraktiv empfunden.

Grundsätzlich eignen sich Dickschlauch-Hörgeräte für jeden Hörbedarf. Egal, ob viel oder wenig Verstärkung benötigt wird – hier gibt es zahlreiche Möglichkeiten. Auch was die technische Ausstattung angeht, ist vom einfachen Basis-Hörgerät bis zum Premiummodell alles machbar.

Vorteile von Dickschlauch-HdONachteile von Dickschlauch-HdO
gut zu greifen auch bei schlechter Motorikgroß und sichtbar
große, langlebige Batterie oder Akku möglichviel Hautkontakt
alle Hörtechniken möglichschlechtere Hochtonübertragung
für jeden VerstärkungsbedarfSchallverluste durch Reibung im Schlauch
Schlauch kann nicht selbst gewechselt werden

Dünnschlauch

Das Bauprinzip ist ähnlich wie beim Dickschlauch, aber der Schlauch ist deutlich dünner. Dadurch ist diese Bauform kosmetisch unauffälliger als das Dickschlauchsystem. Es fühlt sich am Ohr auch etwas leichter und komfortabler an. Der Durchmesser des Schlauches ist wesentlich geringer als beim Dickschlauch. Das hat zur Folge, dass die Reibungsverluste nochmal größer sind.

Dünnschlauch-Hörgerät mit Beschriftung
Die gesamte Technik sitzt im Hörgeräte-Gehäuse. Ein dünner Plastikschlauch leitet den Schall ins Ohr.

Dünnschläuche sind starr und nicht biegsam. Sie sind als fertige Schlauchmodule in verschiedenen Längen jeweils für rechts und links erhältlich. Dünnschläuche lassen sich z.B. mit Zahnseide relativ gut reinigen, knicken aber schnell ab. Sie sollten viertel- bis halbjährlich getauscht werden.

Wie beim Dickschlauch-Gerät sind auch Dünnschlauch-HdOs in allen Preis- und Technologiestufen verfügbar. Allerdings lassen sie nicht so hohe Verstärkungen zu. Häufig sind die Schlauch-HdOs sogar flexibel: Sie lassen sich sowohl mit Dickschlauch als auch mit Dünnschlauch anpassen. Ein kleiner aufsteckbarer Adapter sorgt für die richtige Ankopplung. Der Akustiker muss die jeweilige Schlauchart bei seiner Programmierung allerdings berücksichtigen.

Vorteile von Dünnschlauch-HdONachteile von Dünnschlauch-HdO
relativ unauffälligsichtbar
guter Tragekomfortschlechte Hochtonübertragung
große, langlebige Batterie oder Akku erhältlichSchallverluste durch Reibung im Schlauch
alle Hörtechniken möglichnur für leichte Hörverluste
Dünnschlauch nicht sehr stabil

RIC

RIC (Receiver in canal): Hier wurde ein Bauteil aus dem Hörgerät herausgelöst, nämlich der Lautsprecher. Er steckt im Gehörgang und wird dort durch eine kleines Passstück gehalten. Über ein dünnes Kabel ist der Lautsprecher mit dem Gehäuse verbunden. Durch dieses Auslagern des Lautsprechers kann ein RIC-Gehäuse wesentlich kleiner gebaut werden als ein Schlauchgerät. Deshalb haben sich RIC-Hörgeräte innerhalb kürzester Zeit zum beliebtesten Modell unter den HdO entwickelt.

Eihörer-Hörgerät mit Beschriftung
Die meisten technischen Komponenten befinden sich im Hörgeräte-Gehäuse. Nur der Lautsprecher wird über ein dünnes Kabel in den Gehörgang ausgelagert.

Auch akustisch bringt diese Bauform einige Vorteile mit. Der Lautsprecher liegt sehr dicht vor dem Trommelfell. Es muss also kaum Weg zurückgelegt werden, sodass die eingestellte Verstärkung nahezu verlustfrei ins Ohr gelangt. Auch der Klang ist sehr klar und brillant.

Die Lautsprechereinheiten gibt es in verschiedenen Stärken. Je nach Auswahl des Lautsprechers kann das Hörgerät also viel oder wenig Verstärkung realisieren. Das schafft enorme Reserven, wenn es um den Verstärkungsbedarf geht. Sollte sich das Gehör deutlich verschlechtern, dann kann der Akustiker einfach einen kräftigeren Lautsprecher aufstecken, das Gerät neu programmieren, und schon kann man wieder gut hören. Durch diese Flexibilität sind diese kleinen, attraktiven Hörgeräte auch für hochgradige Schwerhörigkeiten anpassbar.

Vorteile von RIC-HdONachteile von RIC-HdO
klein und kaum sichtbarevt. schwierige Handhabung
sehr gute Hochtonübertragungevt. höhere Kosten
sehr gute Klangqualität
Batterie oder Akku
alle Hörtechniken möglich
für jeden Verstärkungsbedarf
hoher Tragekomfort

HdO-Hörgeräte haben in der Regel eine ausreichend große Batterie, die auch ein paar Tage hält. Außerdem gibt es eine Vielzahl an aufladbaren Produkten. Viele von ihnen sind sowohl für leichte als auch für stärkere Hörverluste anwendbar, und es gibt genügend Platz für manuelle Bedienelemente. HdO-Hörgeräte sind nie ganz unsichtbar, allerdings gibt es eine große Bandbreite zwischen sehr kleinen und relativ großen Modellen.

Im-Ohr-Hörgeräte (IdO)

Im-Ohr-Hörgeräte werden fast immer nach Maß gefertigt. Damit ist eine optimale Passform sichergestellt, die Hörgeräte sitzen perfekt und können nicht aus dem Ohr herausfallen. Dafür nimmt der Hörakustiker zunächst eine Abformung vom äußeren Ohr und dem Gehörgang. Anschließend erstellen speziell geschulte Profis in einem Labor ein Design am Computer. Daraus fertigt ein 3D-Laserprinter die passgenaue Schale, die dann in Handarbeit mit den akustischen Bauteilen bestückt wird. Das bedeutet also, dass sämtliche Bestandteile auf kleinstem Raum in einer Schale stecken. Diese sitzt dann mehr oder weniger tief im Gehörgang.

Vier Varianten werden unterschieden:

Von links nach rechts: IIC (Invisivble in canal), CIC (Completely in canal), ITC (In the canal), ITE (In the ear)

IIC (Invisible in canal)

Das sind die allerkleinsten Hörgeräte auf dem Markt. Wenn der Gehörgang genug Platz bietet, dann verschwinden sie wirklich unsichtbar kurz vor dem Trommelfell. Von außen ist nichts zu sehen. Die Verstärkung ist ausreichend für die meisten Hörverluste.

Vorteile von IICNachteile von IIC
unsichtbarnur für leichte bis mittlere Hörverluste
kaum spürbarevt. schwierige Handhabung
gut geschützt vor äußeren Einflüssensehr kleine, kurzlebige Batterie
hervorragende Klangeigenschaftenabhängig von der Gehörgangsanatomie
sehr gute Hochtonübertragungeingeschränkte technische Optionen
perfektes räumliches Hören

CIC (Completely in Canal)

CIC-Hörgeräte sind ebenfalls sehr klein und sitzen im vorderen Teil des Gehörgangs. Je nachdem, wie viel Platz im Gehörgang verfügbar ist, können auch diese fast unsichtbar sein. Dennoch bieten sie ein wenig mehr Platz als ein IIC, der z.B. für eine Funkempfangs-Spule genutzt werden kann. So werden die Geräte fernsteuerbar oder mit sonstigem Zubehör kombinierbar. Einige Hersteller bieten CICs auch mit sehr kräftiger Verstärkung an.

Vorteile von CICNachteile von CIC
sehr diskret und unauffälligevt. schwierige Handhabung
sehr gute Klangeigenschaftensehr kleine, kurzlebige Batterie
sehr gute Hochtonübertragung
sehr gutes räumliches Hören
auch für stärkere Hörverluste

ITC (In the canal)

Diese Im-Ohr-Modelle werden im zum größten Teil im Gehörgang getragen und haben ihre Frontplatte sichtbar in der Ohrmuschel. Durch die etwas größere Bauform ergeben sich Spielräume für technische Zusatzausstattungen. Eine Funkanbindung für externes Zubehör oder für die direkte Verbindung zum Smartphone wird häufig angeboten. Man kann auch manuelle Steller anbringen, sodass man direkt am Hörgerät die Lautstärke verstellen kann. Auch die Batterie kann etwas größer und damit langlebiger sein.

Vorteile von ITCNachteile von ITC
sehr gute Klangqualitätsichtbar
sehr gute Hochtonübertragungrelativ viel Hautkontakt, dadurch spürbar
langlebige Batterie
bequeme Handhabung bei motorischen Schwierigkeiten
alle Hörtechniken möglich
für jeden Verstärkungsbedarf
bei Bedarf Platz für manuelle Bedienelemente
gutes räumliches Hören

ITE (In the ear)

ITE-Geräte füllen die Ohrmuschel komplett aus. Sie stehen aber nicht nach außen heraus, und sie ragen nicht sehr weit in den Gehörgang hinein. Ähnlich wie beim ITC wird der zusätzliche Platz oft genutzt für technische Zusatzausstattungen. Auch die Batterie kann hier noch mal größer sein. Selbst aufladbare ITC- und ITE-Modelle sind bereits auf dem Markt.

Vorteile von ITENachteile von ITE
sehr gute Klangqualitätsichtbar, teilweise auffällig
sehr gute Hochtonübertragungviel Hautkontakt, dadurch spürbar
langlebige Batterie oder Akku möglich
bequeme Handhabung bei motorischen Schwierigkeiten
bei Bedarf Platz für manuelle Bedienelemente
alle Hörtechniken möglich
für jeden Verstärkungsbedarf
gutes räumliches Hören

Alle IdO-Bauformen haben gemeinsam, dass sie ein sehr gutes räumliches Hören erzeugen. Das liegt an ihrer Position direkt im Gehörgang. Wie beim Normalhörenden kann die individuelle Kopf- und Ohranatomie genutzt werden, um Richtungen zu erkennen. Außerdem gibt es keine Tragekonflikte mit Brille, Helm oder Mütze.

Häufig kursieren noch Vorurteile gegenüber Im-Ohr-Hörgeräten. Sie würden das Ohr verstopfen, nur für leichte Schwerhörigkeiten geeignet sein und ständig kaputtgehen. Aber nichts davon ist wahr. Wie stark das Ohr verschlossen werden muss, hängt vom Verstärkungsbedarf ab, und zwar unabhängig davon, ob es ein HdO oder IdO ist. In jedem IdO gibt es eine Belüftungsbohrung. Die Fertigung per Laserdruck hat da in den letzten Jahren ganz neue Möglichkeiten geschaffen. Die Luftkanäle können heute ganz präzise geformt werden, die akustische Wirkung lässt sich genau vorberechnen. Dadurch fühlt sich das Ohr nicht mehr so verschlossen an wie früher.

Außerdem sind selbst kleine CIC-Geräte so leistungsstark, dass sie sogar hochgradige Schwerhörigkeiten ausgleichen können. Möglich macht das die Miniaturisierung der Bauelemente und die Anordnung der einzelnen Komponenten am PC. Das kann noch nicht jeder Hersteller, aber es gibt genügend Angebote für Menschen mit hohem Verstärkungsbedarf. Die Reparaturanfälligkeit ist heutzutage generell eher niedrig. Das gilt für HdO und IdO gleichermaßen. Grundlage ist natürlich eine gute Pflege der Hörgeräte. Das erfordert in der Regel nur wenige Minuten und geht spielend leicht. 

Otoplastik, Schirmchen & Co.

Hinter-dem-Ohr-Geräte müssen irgendwie am Ohr befestigt werden, schließlich sollen auch sie sicher und komfortabel getragen werden können. Dafür gibt es Standardlösungen und individuelle Maßanfertigungen.

Otoplastiken für Hörgeräte
Individuelle Otoplastiken: Ring, Kralle, Spange … diese und weitere Formen gibt es, um ein klassisches Schlauch-HdO am Ohr zu befestigen.
RIC-Otoplastiken: 3 Beispiele
Miniatur-Otoplastiken für RIC-Hörgeräte haben sehr wenig Hautkontakt, bieten aber dennoch perfekten Halt und eine glasklare Akustik. Wenn die Otoplastik sehr tief sitzt, dient ein kleiner Zugfaden der unkomplizierten Entnahme aus dem Ohr.

Die individuellen Varianten werden Otoplastik genannt. Dafür werden Ohr und Gehörgang abgeformt. Das Anfertigen der Otoplastiken geschieht dann meist in einem spezialisierten Labor. Dort erstellen ausgebildete Profis ein Design am Computer, für das die Ohrabformung die Vorlage bildet. Dabei stehen kosmetische und akustische Aspekte gleichermaßen im Fokus. Anschließend beginnt der eigentliche Fertigungsprozess. Die Labore verwenden dazu große Hochleistungs-3D-Drucker. Zum Abschluss erfolgt noch das Finish. Dabei werden scharfe Kanten beseitigt und ein Hautschutzlack aufgetragen.

Es gibt feste und weiche Materialien. In der Größe ist alles möglich, von unsichtbaren Miniatur-Otoplastiken bis hin zu großen, gut greifbaren Modellen für motorisch eingeschränkte Menschen.

EXPERTENTIPP: Für die kleinen Miniatur-Otoplastiken ist ein Kunststoff namens Thermotec besonders empfehlenswertwert. Dieses Material ist zunächst fest, das erleichtert das Einsetzen. Durch die Körperwärme wird Thermotec etwas nachgiebiger und weicher. Das erhöht den Tragekomfort erheblich. Außerdem handelt es sich um ein poröses Material, das Feuchtigkeit nach außen lassen kann. Das ist gut für ein gesundes Klima im Gehörgang.

Standardlösungen gibt es ebenfalls. Sie werden Schirmchen oder Domes genannt, bestehen aus einem sehr weichen, dünnen Material und werden auf die Schläuche oder externen Hörer einfach aufgesteckt. Eigentlich sind sie nur zum Ausprobieren gedacht, sie halten nicht so lange. Wer dennoch statt einer Otoplastik lieber ein Schirmchen verwenden will, sollte darauf achten, immer einen Vorrat zuhause zu haben. Nach ca. 3 Monaten sollten sie auf jeden Fall ausgetauscht werden.

Drei Domes bzw. Schirmchen für RIC-Hörgeräte
Domes bzw. Schirmchen gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Größen. Sie erzeugen spontan ein angenehmes Tragegefühl, geben aber niemals den perfekten Halt einer individuellen Otoplastik. Sie verschleißen sehr schnell und müssen regelmäßig ersetzt werden.
Balkendiagramm zur Qualität von Domes für Hörgeräte
Balkendiagramm zur Qualität von Otoplastiken für Hörgeräte

Hörakustik-Profis empfehlen ganz klar die individuellen Maßanfertigungen. Nur so kann sichergestellt werden, dass ausreichend Schall am Trommelfell ankommt, und dass nicht zu viele Nebengeräusche ans Ohr kommen. Außerdem verhindern sie zuverlässig das lästige Rückkopplungspfeifen. 

Hörgerätepreise und technische Ausstattung

Ausschlaggebend für den Preis eines Hörgerätes sind vor allem drei Faktoren:

  1. Hörkomfort:
    Hier geht es vor allem um die Nebengeräusche. Welche Geräuscharten werden erkannt? Wie stark werden sie gedämpft? Wie funktioniert das räumliche Hören? Wie natürlich ist der Klangeindruck? Grundsätzlich gilt: Je mehr Geld man in seine Hörgeräte investiert, desto geringer ist der Konzentrationsaufwand beim Zuhören. Höherwertige Hörgeräte reduzieren Geräusche so weit, dass sie nicht mehr als störend empfunden werden. Außerdem steigt die akustische Klangqualität und die Natürlichkeit mit dem Preis. Die Investition fließt also direkt in die alltägliche Bequemlichkeit.
  2. Technische Extras:
    Möchte man Zubehör nutzen oder sein Smartphone drahtlos mit den Hörgeräten verbinden, dann ist dafür meist ein Aufpreis fällig.
  3. Bauform und Größe:
    Generell hat die Größe keinen großen Einfluss auf den Preis. Allerdings sind sehr kleine Design-Hörgeräte meist nicht in der untersten Preisstufe zu finden. Auch Im-Ohr-Hörgeräte haben in der Regel einen etwas höheren Preis. Der entsteht durch die höheren Fertigungskosten, schließlich werden diese Varianten immer einzeln und individuell hergestellt. 

Die meisten Hörakustiker bieten ihre Hörgeräte in unterschiedlichen Preisstufen an. So kann man im Vorfeld und nach einer guten Beratung entscheiden, welche Erwartungen man an den Hörkomfort hat und zu welcher Investition man bereit ist. Die günstigsten Hörgeräte kosten derzeit ca. € 700,- pro Stück, die Obergrenze ist variabel und liegt irgendwo bei € 3000,- pro Stück. Oft ist es möglich, von einer gesetzlichen oder privaten Krankenkasse einen Zuschuss zu erhalten. Der Hörakustiker hat darüber ausführliche Informationen und hilft bei der Abwicklung. 

Wer unschlüssig ist, welches Techniklevel das richtige ist, kann zunächst einen Testlauf machen. Dabei können sowohl günstige als auch hochwertige Hörgeräte ausprobiert und verglichen werden. Danach fällt die Entscheidung oft leicht. 

EXPERTENTIPP: Fragen Sie nach Finanzierungsmöglichkeiten! Viele Kunden würden sich nach der Testphase lieber für ein höherwertiges Produkt entscheiden, weil sie den komfortableren Klang bevorzugen. Doch oft liegt die nötige Summe nicht griffbereit auf dem Konto. Fast immer gibt es sehr günstige Raten-Optionen, von kurzfristigen Zahlungsmodellen bis hin zu einem mehrjährigen Vertrag.

Hörkomfort: Smarte Techniken für das perfekte Klangerlebnis

  • Störlärmunterdrückung:
    Sorgt für ein angenehmes Lautstärkeempfinden und entspanntes Zuhören. Monotone, gleichförmige Geräusche wie Straßenlärm oder Maschinengeräusch werden gedämpft. Der Hörkomfort wird deutlich größer.
  • Impulsschallmanagement:
    Verbessert den Klangkomfort und mildert plötzliche, laute Klänge ab. Dämpft knallartige Geräusche wie Geschirrklappern, Tastaturklappern, Trittschall.
  • Windgeräuschunterdrückung:
    Erkennt und mindert Windgeräusche im Freien. Erhöht den Klangkomfort und reduziert die Höranstrengung erheblich. Erleichtert das Sprachverstehen in windigen Situationen.
  • Softnoisemanagement:
    Reduziert die Höranstrengung und schafft eine ruhige Hörumgebung, indem es leise Geräusche von Klimaanlage, Lüftung, PC etc. eliminiert.
  • Richtmikrofone:
    Spüren zuverlässig Lärmquellen auf und blenden sie dann aus. Fokussieren dominante Sprecher. Liefern spürbare Unterstützung bei der Konzentration auf den gewünschten Sprecher.
  • Situationsautomatik:
    Analysiert permanent die akustische Umgebung und stellt sich passend dazu ein. Macht manuelles Umschalten weitgehend überflüssig.
  • Breitbandige Frequenzübertragung:
    Je mehr hohe Töne übertragen werden, desto natürlicher ist der Klangeindruck. Verbessert den Klangkomfort erheblich, macht Musikhören zum Genuss.
  • Binaurale Signalverarbeitung:
    Stellt ein echtes 3D-Hören her. Verbessert das räumliche Hören und das zuverlässige Erkennen von Richtungen.
  • Funkanbindung an Smartphone & Co.:
    Verbindet drahtlos das Smartphone, Laptop, TV etc. Erleichtert das Verstehen bei Multimedianutzung. Verbessert den Klangkomfort, reduziert die Höranstrengung.

Hörgeräte: Gut gegen Tinnitus

Frau seitlich mit Tinnitus
Tinnitus kann im Alltag wirklich nerven. Hörgeräte helfen, schnell und unkompliziert.

Tinnitus-Geplagte erfahren oft eine deutliche Linderung, wenn sie Hörgeräte tragen. Die Verstärkung vom Hörgerät bewirkt eine Schallanreicherung auf der Hörbahn. Das Ohr wird beschäftigt und abgelenkt, der Tinnitus geht in all den Klängen einfach unter. Manchmal reicht das jedoch nicht aus. Vor allem, wenn man sich zurückzieht und ein wenig Ruhe genießen will, stört der Tinnitus umso heftiger. Dafür gibt es spezielle Programme in den Hörgeräten. Der Hörakustiker ermittelt, in welchem Frequenzbereich das Ohrgeräusch liegt und generiert dann ein Rauschprogramm. Das wird in Lautstärke und Klangfarbe auf die persönlichen Vorlieben abgestimmt. Am Ende klingt es wie Meeresrauschen oder ein sanfter Wind. Das Innenohr wird breitbandig stimuliert, der Tinnitus tritt in den Hintergrund und wird nicht mehr als störend wahrgenommen. 

Energieversorgung im Hörgerät

Natürlich benötigen Hörgeräte Energie, um zu funktionieren. Davon ist sogar eine ganze Menge nötig, schließlich ist die Lautstärke manchmal wirklich hoch. Heutzutage haben Sie die Wahl zwischen batteriebetriebenen und aufladbaren Hörgeräten. Bisher wurden Hörgeräte meistens mit speziellen Zink-Luft-Batterien betrieben. Die sehen aus wie normale Knopfzellen, sind aber anders aufgebaut. In einem kleinen Stahlbecher befindet sich Zinkpulver. Im Deckel der Zelle befinden sich Luftlöcher, die zunächst abgeklebt sind. Entfernt man den Aufkleber, strömt Sauerstoff aus der Luft hinein. Der reagiert mit dem Zink, und die nötige Spannung entsteht. Hörgerätebatterien haben eine hohe Kapazität, um dem Energiebedarf zu genügen. 

Die Batterien halten – je nach Größe – 3 bis 14 Tage. Ein Warnton signalisiert den anstehenden Batteriewechsel. Die Größen der Hörgerätebatterien sind genormt, sie haben eine farbliche und numerische Kennzeichnung:

  • gelb: ZL 10
  • braun: ZL 312
  • orange: ZL 13
  • blau: ZL 675
Zink-Luft-Batterien für Hörgeräte
Batterien für Hörgeräte sehen aus wie normale Knopfzellen, funktionieren aber ganz anders. Sie verwenden den Sauerstoff aus der Luft.

Seit einiger Zeit gibt es auch Hörgeräte, die aufladbar sind. Dazu ist ein Lithium-Ionen-Akku meist fest im Hörgerät integriert. Um Batterien muss man sich damit also keine Gedanken machen. Die Hörgeräte werden nachts in die mitgelieferte Ladestation gesteckt und erhalten innerhalb von 3 Stunden genug Energie für einen ganzen Tag. Das Ein- und Ausschalten der Hörgeräte erfolgt automatisch. Aufladbare Hörgeräte sind leider nicht unsichtbar, so ein winziger Akku würde nicht über einen vollen Tag reichen. Dennoch sind diese Modelle wirklich klein und attraktiv. Sogar Im-Ohr-Hörgeräte sind bereits mit Akku erhältlich. 

Drei Paar Hörgeräte mit unterschiedlichen Ladestationen sowie ein Paar aufladbare Im-Ohr-Hörgeräte
Unterschiedliche Varianten von aufladbaren Hörgeräten

EXPERTENTIPP: Wenn Ihnen das Streamen wichtig ist, also die drahtlose Übertragung von Telefonaten oder dem Fernsehton direkt in die Hörgeräte, dann ist ein aufladbares Hörgerät von großem Vorteil. Egal wie hoch der Streaming-Anteil in Ihrem Alltag ist, der Akku im Hörgerät hält ganz sicher über den ganzen Tag.

Smartphone, TV & Co: Zubehör und Wireless-Verbindungen

Fast jeder Hörgeräteträger verwendet auch ein Smartphone, allerdings ist das Verstehen am Telefon oft schwierig. Da ist es äußerst hilfreich, wenn sich das Smartphone per Funk mit den Hörgeräten verbinden lässt. Sehr viele Hörgeräte haben die 2,4 GHz-Funktechnik bereits integriert. Die iPhones und iPads von Apple lassen sich völlig problemlos damit verbinden, selbst die älteren Modelle. Und auch Android ist 2019 in dieses Feld eingestiegen. Die Anzahl der kompatiblen Android-Smartphones ist noch begrenzt, wächst aber kontinuierlich. Hörakustiker haben Listen mit passenden Mobiltelefonen, dort kann man bei Interesse nachfragen. 

Die Hörgeräte werden mit der Funkanbindung zum Wireless-Headset. Telefonate werden direkt in beide Ohren übertragen. Das funktioniert natürlich auch für andere Sounds wie Musik, Klingeltöne, Filme, Nachrichten.

Unabhängig vom Streaming sind Smartphone-Apps zur Bedienung der Hörgeräte. Die machen mittlerweile richtig Spaß und bieten eine Vielzahl an Veränderungsmöglichkeiten. Equalizer, Mikrofonausrichtung etc. – die App macht das Hörerlebnis noch persönlicher.

App für Hörgeräte
Das ist der Startbildschirm der Thrive Hearing Control App von Starkey. Damit kann man nicht nur seine Hörgeräte anpassen, sondern auch die körperliche Fitness tracken.

Manche Smartphones haben noch keine 2,4 GHz-Funkanbindung. Und manche Menschen verwenden auch lieber ein klassisches Handy statt eines Smartphones. Solange jedoch Bluetooth im Gerät vorhanden ist, kann man sein Telefon mit den Hörgeräten verbinden, man benötigt nur einen kleinen Streamer. Das ist ein kleines, unauffälliges Gerät zum Anstecken an die Kleidung. Damit kann man sämtliche Bluetooth-Audioquellen mit den Hörgeräten verbinden. Meist steckt noch ein Mikrofon drin, sodass es auch als Freisprecheinrichtung funktioniert.

Sehr beliebt sind die Funk-TV-Adapter. Sie machen Spielfilme wieder zum echten Erlebnis, denn sie übertragen den Fernsehton direkt in die Hörgeräte. Kopfhörer sind nicht mehr nötig. Die Installation ist kinderleicht, die passenden Kabel und Stecker werden mitgeliefert. Die Lautstärke kann sich der Hörgeräteträger ganz unabhängig vom Fernsehgerät einstellen. 

Zubehör für Hörgeräte. Ein TV-Adapter, Fernbedienung, Ansteckmikrofon
Beispiele für Zubehör. Links: TV-Adapter; Mitte: Fernbedienung; rechts: Ansteckmikrofon

Externe Mikrofone können ebenfalls eine sinnvolle Ergänzung sein. Es gibt sie entweder zum Anstecken an die Kleidung oder als Tischmikrofon. Beide überbrücken die Entfernung zum Sprecher, wenn dieser weiter wegsteht. Typische Einsatzgebiete sind Vorträge, Besprechungen, Seminare, aber auch Sportkurse oder die Museumsführung. 

Auch Fernbedienungen sind weitverbreitet, es gibt sie für fast alle Hörgeräte. Wer gern selbst die Lautstärke anpasst oder in spezielle Hörprogramme schalten will, muss dazu nicht jedes Mal ans Ohr fassen. Eine Fernbedienung ist diskret und lässt sich ganz einfach handhaben. Alternativ kann man eine App auf dem Smartphone oder einen Taster am Hörgerät verwenden. 

Fernsehen mit Hörgeräten

Das Fernsehen ist als Informationsquelle und Unterhaltungsmedium aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Allerdings funktioniert das Verstehen der TV-Sendungen oft nicht mehr so gut, wenn man ein Hörproblem hat. Der Grund dafür ist, dass das Hördefizit nicht in allen Tonlagen gleichermaßen auftritt. Meist sind die helleren Frequenzen deutlich stärker betroffen als die tieferen. Der Fernseher ist also nicht zu leise, sondern zu dumpf. Einfach nur lauter stellen hilft deshalb oft nicht.

Das Tragen von Hörgeräten ist genau der richtige Schritt, um beim Fernsehen wieder alles zu verstehen. Es gibt zwei Wege, wie Hörgeräte helfen können:

a) Ein spezielles Hörprogramm für TV: In jedem Hörgerät gibt es mehrere Speicherplätze für individuelle Hörprogramme. Der Hörakustiker kann so ein Programm in Klang und Lautstärke extra auf das Fernsehen abstimmen. Dabei werden die Frequenzbänder so verändert, dass der Sprachbereich besonders betont wird. Vor allem die leiseren Sprachanteile bekommen einen Extra-Boost, denn oft sitzt man ja nicht unmittelbar vor dem Fernsehgerät. Mit jedem Meter Entfernung zwischen TV und Sofa gehen Sprachanteile verloren, und mit der gesonderten Einstellung gleicht man das wieder aus. Außerdem kann die Lautstärke so angepasst werden, dass die Übertragung von vornherein ein wenig lauter ist.

Am besten lässt sich so ein Zusatzprogramm übrigens zu Hause im heimischen Wohnzimmer programmieren. Keine Angst, der Hörakustiker stattet Ihnen keinen Besuch ab. Die Programmierung erfolgt bequem über das Internet. Sie benötigen nur ein Smartphone oder iPad. Der Hörakustiker vereinbart einen Online-Termin, und der läuft ab wie ein ganz normaler Videochat. Noch während der Akustiker die Hörgeräte programmiert, können Sie den Fernseher einschalten und sofort testen, wie die neue Einstellung klingt.

4 verschiedene TV-Adapter für Hörgeräte
Beispiele für TV-Adapter. Oben links von Starkey, oben rechts von Unitron, unten rechts von Widex, unten links von ReSound.

b) Wenn das TV-Hörprogramm nicht ausreicht, gibt es kleine Adapter für den Fernseher. Diese kleinen Boxen werden ans TV-Gerät angeschlossen und verwandeln den Ton in ein Funksignal. Die Hörgeräte empfangen dieses Signal und stimmen es auf die individuellen Bedürfnisse des Hörers ab. Die Übertragung geschieht völlig verlustfrei, und der Abstand zwischen TV und Fernsehsessel spielt überhaupt keine Rolle mehr. Und noch einen Vorteil haben die TV-Adapter: Die Mikrofone im Hörgerät bleiben weiterhin aktiv. Man kann sich also während des Spielfilms bequem mit den Angehörigen unterhalten. Der Abschirm-Effekt, den Kopfhörer leider haben, entfällt komplett. Es gibt auch keinen Streit mehr um die richtige Lautstärke, denn jeder kann die für sich selbst regeln.

EXPERTENTIPP: Die kleinen TV-Adapter erhalten Sie in der Regel auch zum Testen. Nehmen Sie einen mit nach Hause und machen Sie Ihre eigenen Erfahrungen.

Telefonieren mit Hörgeräten

Das Telefon ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Egal, ob mobil oder per Festnetz: Ohne die Kommunikation per Telefon wäre unser Leben deutlich beschwerlicher, komplizierter und manchmal auch einsamer. Das Telefonieren geschieht fast ausschließlich über den Hörsinn. Daher ist das ein besonders wichtiges Thema für Menschen mit Hörproblemen. Hörgeräte können auf jeden Fall helfen, sich mühelos am Telefon zu unterhalten. Je nach Hörgerätetyp gibt es dazu unterschiedliche Strategien:

Frau sitzt im Café und telefoniert
Telefonieren mit Hörgeräten kann vor allem bei Umgebungsgeräuschen herausfordernd sein.
  1. Telefonieren erfordert für Hörgeräteträger eine kleine Umstellung. Das liegt daran, dass die Mikrofone der Hörgeräte oft nicht dort sitzen, wo man den Telefonhörer hinhält. Das betrifft in erster Linie die Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte. Diese Geräte werden oben auf der Ohrmuschel getragen, und genau da befinden sich auch die Mikrofone. Man sollte den Telefonhörer also ein wenig nach oben verschieben. So kann das Telefonat viel leichter vom Mikrofon erfasst und anschließend verstärkt werden.
  2. Leichter haben es die Besitzer von Im-Ohr-Hörgeräten. Durch die Position des Gerätes direkt im Gehörgang kann der Schall vom Telefon meistens vollständig aufgefangen werden. Telefonieren ist also kein Problem.
  3. Unabhängig davon kann der Hörakustiker ein extra Programm speziell fürs Telefonieren einstellen. Das kann man sich bei Bedarf manuell zuschalten. Einige Hörgeräte erkennen auch automatisch, dass ein Telefon ans Ohr gehalten wird, sie schalten dann von selbst in den Telefonmodus.
  4. Hin und wieder gibt es noch Telefone, die ein etwas stärkeres Magnetfeld entwickeln. Das sind entweder ältere, schnurgebundene Telefone oder spezielle Modelle für Menschen mit Höreinschränkungen. Wenn dann das Hörgerät ebenfalls eine Magnetspule enthält, dann kann man über eine induktive Übertragung telefonieren. Das ist sehr bequem, weil man das Gespräch direkt und ohne Verluste im Hörgerät empfängt. Die entsprechende Funktion im Hörgerät heißt T-Spule.
  5. Moderne Festnetztelefone sind oft bluetoothfähig. Diese Drahtlos-Übertragung können Sie mit Hörgeräten nutzen. Alles, was Sie dazu benötigen, ist ein kleiner Streamer. Dieses kleine Zubehör kann man sich an den Kragen stecken. Es kann mit allen bluetoothfähigen Geräten verbunden werden. Der Streamer enthält auch noch ein Mikrofon, sodass der Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung ebenfalls gut versteht. Im Grunde funktioniert so ein Streamer wie eine Freisprecheinrichtung. Sie hören das Telefonat in beiden Ohren und müssen den Hörer gar nicht mehr ans Ohr halten.
  6. Einige Hersteller bieten sogar eigene Festnetztelefone an. Die wurden dann mit einer speziellen Funktechnik ausgestattet, sodass man kein weiteres Zubehör zum Telefonieren benötigt. Oft lassen sich solche Telefone mit bereits vorhandenen Anlagen kombinieren. Allerdings gibt es einen kleinen Nachteil: Sie funktionieren ausschließlich mit den Hörgeräten dieses einen Herstellers.
  7. Besonders leicht ist heute das mobile Telefonieren über das Smartphone. Immer mehr Smartphones sind mit Hörgeräten kompatibel. Sie lassen sich direkt über Funk verbinden. Telefonate werden dann in beide Hörgeräte gestreamt, sodass man eigentlich bequemer als ein Normalhörender telefonieren kann. Selbst draußen im Freien oder bei hohem Umgebungslärm funktioniert so ein Telefonat einwandfrei. Wer kein kompatibles Smartphone besitzt, kann einfach auch einen Streamer verwenden.

EXPERTENTIPP: Falls Ihr aktuelles Smartphone noch nicht mit Hörgeräten kompatibel ist, und Sie planen, ein neues Smartphone zu kaufen, dann sprechen Sie mit Ihrem Hörakustiker. Der kann Ihnen eine Liste geben mit getesteten Mobiltelefonen, die auf jeden Fall kompatibel sind. So ist auch Ihre Smartphone-Investition zukunftssicher.

Sport treiben mit Hörgeräten

Viele Menschen stellen die Frage, ob sie ihre Hörgeräte beim Sport tragen können. Das ist selbstverständlich möglich und sogar empfehlenswert! Denn oft ist man beim Sport nicht allein. Vielleicht möchte man sich beim Joggen unterhalten, oder im Yogakurs die Anweisungen des Übungsleiters verstehen. Hörgeräte und Sport sind also ein gutes Team. Sie müssen nur zwei Dinge beachten:

a) Achten Sie darauf, dass die Hörgeräte gut sitzen. Bei Im-Ohr-Hörgeräten ist das sowieso der Fall. Und bei Hinter-dem-Ohr-Geräten empfiehlt sich eine maßgefertigte Otoplastik. Wer unbedingt bei einem Schirmchen bleiben will, sollte sich dafür vom Hörakustiker eine kleine Concha-Halterung geben lassen. Das ist ein dünner, nahezu unsichtbarer Kunststofffaden mit einer gewissen Festigkeit. Der wird am Lautsprecherkabel oder am Dünnschlauch befestigt und dann in die Ohrmuschel gelegt. Dort sorgt die Halterung dafür, dass das Hörgerät nicht aus dem Ohr rutscht.

b) Achten Sie auf eine gute Pflege der Hörgeräte. Inzwischen haben alle Modelle einen besonderen Feuchtigkeitsschutz. Dennoch kann durch die Mikrofonschlitze oder die Batterieklappe Feuchtigkeit ins Gerät eindringen. Deshalb sollten gerade Sportler ihre Hörgeräte jeden Abend in ein Trockengerät legen. Trockengeräte sind kleine elektronische Boxen, die die Feuchtigkeit vom Tag entziehen und anschließend die Hörgeräte per UV-Bestrahlung desinfizieren.

Gruppe mit Radfahrern im Park
Hörgeräte machen die meisten Sportarten problemlos mit.

Der einzige Sport, den Hörgeräte nicht so gerne mögen, ist der Schwimmsport. Auch in die Sauna gehören Hörgeräte nicht. Das wäre dann doch etwas zu viel Feuchtigkeit. Outdoorsport dagegen ist kein Problem. Ein Regenschauer kann dem Hörgerät nichts anhaben, dafür sorgen die äußerst robusten und beschichteten Gehäuse.

Vorträge hören mit Hörgeräten

Wer regelmäßig Vorträge hört oder Seminare und Vorlesungen besucht, kann enorm von seinem Hörgerät profitieren. Üblicherweise sieht die akustische Situation so aus:

  • Ein Sprecher steht vorn, die Distanz zum eigenen Sitzplatz ist größer als bei normalen Unterhaltungen.
  • Dadurch wird der Klang der Sprache dumpfer und undeutlicher.
  • Der Raum ist oft größer als normale Wohnräume, dadurch ist die Raumakustik anders als gewohnt.
  • Die anderen Menschen im Publikum verursachen Geräusche, die ablenken können.
Blick aus dem Seminarraum nach vorn auf einen Vortragenden
Vor allem die Distanz zum Sprecher macht Vortragssituationen etwas schwieriger. Hörgeräte können beim Verstehen sehr gut helfen.

Es gibt zwei Wege, wie Hörgeräte jetzt helfen können:

a) Der Hörakustiker stellt ein extra Vortragsprogramm ein. Dabei wird vor allem darauf geachtet, dass entferntere, also leisere Sprache genügend verstärkt wird. Außerdem kann eine feste Fokusrichtung nach vorn programmiert werden. Damit werden störende Geräusche von hinten und von der Seite ausgeblendet, die Konzentration auf den Sprecher wird erleichtert.

b) Komfortabler ist ein kleines Funkmikrofon. Dieses Zubehör ist per Funk mit den Hörgeräten verbunden. Bevor der Vortrag beginnt, geben Sie das Mikrofon dem Redner. Er kann es sich am Kragen befestigen und muss dann nichts weiter tun. Die ansteckbaren Mikrofone sind sehr klein und ultraleicht, der Vortragende wird davon kein bisschen gestört. Der Nutzen ist sehr groß: Das Gesprochene wird glasklar und verlustfrei direkt auf beide Hörgeräte übertragen. Entfernungen und Umgebungsgeräusche sind völlig nebensächlich, Sie können sich ganz unbeschwert auf den Inhalt konzentrieren.

Hörgeräte reinigen und pflegen

Nie war es leichter, die Hörgeräte zu Hause in Ordnung zu halten. Es gibt für jedes Modell genau die passenden Pflegeprodukte. Wichtig ist nur, die Geräte regelmäßig zu pflegen, denn sie werden viele Stunden am Tag direkt am Körper getragen.

  1. Reinigung:
    Zum Reinigen können Sie ein Spray verwenden. Das erhalten Sie bei Ihrem Hörakustiker, es ist speziell für Hörgeräte gedacht. Sprühen Sie es einfach auf ein Papiertuch und wischen Sie anschließend sowohl das Hörgerät als auch Otoplastik oder Schirmchen damit ab. Genauso können Sie feuchte Reinigungstücher verwenden. Die sind meist einzeln verpackt und mit einer desinfizierenden Lösung getränkt.
  2. Filterwechsel:
    Bei RIC-Geräten oder Im-Ohr-Hörgeräten finden Sie auf dem Lautsprecher einen kleinen Filter. Der funktioniert wie ein Stöpsel im Ausguss, er verhindert, dass Staub oder Ohrenschmalz ins Hörgerät eindringen. Neue Filter gibt es im praktischen Spender, und das Wechselwerkzeug ist immer gleich dabei. So ein Filterwechsel dauert nur wenige Sekunden.
  3. Werkzeug für Otoplastiken:
    Ihr Hörakustiker hält auch ein Set an kleinen Bürstchen, Drahtschlingen und Reinigungsfäden bereit. Die helfen, wenn sich Schmutz in irgendwelchen Rillen oder in der Belüftungsbohrung festsetzt.
  4. Ein Ultraschallbad:
    Das ist nur dann nötig, wenn man ein klassisches Schlauch-Hörgerät verwendet. Da kann man die Otoplastik samt Schlauch abziehen und im Ultraschallbad reinigen. Wichtig ist, dass Sie anschließend das Wasser aus dem Schlauch pusten. Das geht über einen kleinen Puster oder über Druckluft aus der Dose.
  5. Die Trocknung:
    Auch das robusteste Gehäuse muss kleine Öffnungen haben, schließlich muss der Schall herein und hinaus. Die Öffnungen sind zwar über Filter gut geschützt, dennoch kann man ein Eindringen von Feuchtigkeit nicht zu 100 % verhindern. Dazu gibt es elektronische Trockengeräte. Man entfernt die Batterie und legt die Hörgeräte über Nacht hinein. Ein warmer Luftstrom entzieht die Feuchtigkeit vom Tag. Meist folgt noch eine UV-Bestrahlung zur Desinfektion. Nach ca. 3 Stunden ist der Vorgang beendet, das Gerät schaltet automatisch ab. Wer ein aufladbares Hörgerät verwendet, sollte auf spezielle Trockengeräte für Akku-Hörgeräte zurückgreifen. Damit können Sie gleichzeitig trocknen und aufladen. Außerdem ist die Temperatur so abgestimmt, dass die Akkus nicht beschädigt werden.

Hörgerätehersteller: Wer hat die besten Hörgeräte?

Die Frage nach dem besten Hersteller für Hörgeräte wird oft gestellt. Leider – oder zum Glück – lässt sich das nicht beantworten. Es gibt eigentlich nur noch gute, zuverlässige und leistungsfähige Hörgeräte. Möglicherweise hat ein Hersteller mal eine besonders innovative Idee oder ein bemerkenswertes Design. Manche haben Nischenprodukte wie Superpower-Hörgeräte oder Geräte speziell für Kinder. 

Grundsätzlich hat jeder Hersteller ein Vollprogramm und deckt alle Ansprüche ab. Die Unterschiede liegen vor allem im Klang, in der Handhabung und im Design. Allerdings gibt es da kein „Besser“ oder „Schlechter“. Es ist Geschmacksache, für welches Produkt man sich entscheidet. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen, hat ganz individuelle Ansprüche an sein Hörgerät. Daher ist es auf jeden Fall sehr erfreulich, dass die Produktvielfalt unglaublich groß ist. Ganz sicher gibt es für jeden einzelnen das perfekte Hörgerät. Wer auf dem Weg dahin Beratung benötigt, erhält diese beim Hörakustiker.

Die Hersteller, die in Deutschland einen starken Auftritt haben, sind Starkey, ReSound, Oticon, Signia, Widex, Bernafon, Phonak, Unitron, Hansaton und Audio Service.

EXPERTENTIPP: Machen Sie sich bei Ihrer Kaufentscheidung frei von der Werbung und der Meinung der Nachbarn. Nicht alles, was stark beworben ist, ist auch geeignet für Ihre Hörbedürfnisse. Und auch Freunde und Bekannte haben unter Umständen ganz andere Voraussetzungen. Vertrauen Sie in die Empfehlung Ihres Hörakustikers und in Ihre eigenen Hörerfahrungen.

Auf einen Blick: Diese Hörgeräte haben das beste Hörkomfort-Paket an Bord

Bitte erlauben Sie uns die Nutzung von Cookies. OK