
Ein gutes Hörvermögen ist ein entscheidender Baustein für die Lebensqualität. Hörgeräte unterstützen Menschen mit Hörverlust dabei, ihre Umwelt wieder klarer wahrzunehmen und aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Damit sie jedoch zuverlässig arbeiten und ihre Leistungsfähigkeit langfristig erhalten bleibt, ist eine regelmäßige, sorgfältige Pflege unerlässlich. In diesem Beitrag beleuchten wir, warum die richtige Reinigung von Hörgeräten so wichtig ist und welchen Einfluss sie auf Funktion, Haltbarkeit und Klangqualität hat.
Inhaltsverzeichnis

Hörgeräte sind hochsensible elektronische Systeme, die täglich direkt am oder im Ohr getragen werden. Dadurch sind sie ständig äußeren Einflüssen wie Feuchtigkeit, Schweiß, Staub, Hautschuppen und Ohrenschmalz ausgesetzt. Diese Belastungen können sich im Laufe der Zeit im Gerät oder an wichtigen Öffnungen ablagern und so die Funktionsfähigkeit beeinträchtigen – bis hin zu Aussetzern oder kompletten Störungen.
Eine konsequente und regelmäßige Reinigung stellt sicher, dass die Hörgeräte zuverlässig arbeiten, ihre technische Leistung voll ausschöpfen und eine konstant hohe Klangqualität liefern.

Ohrenschmalz – medizinisch Cerumen – ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers. Es hält Staub, Schmutz und Keime vom empfindlichen Gehörgang fern. Gelangt Cerumen jedoch an Mikrofone, Filter oder Lautsprecher von Hörgeräten, kann es dort kleben bleiben und wichtige Öffnungen blockieren. Die Folge: Der Klang wirkt gedämpft, leise oder verzerrt, und die Wirksamkeit des Hörgeräts nimmt deutlich ab.
Durch das regelmäßige Entfernen von Cerumenablagerungen beugen Sie solchen Verstopfungen vor und stellen sicher, dass Ihre Hörgeräte dauerhaft optimal arbeiten.

Ein weiterer zentraler Grund für die regelmäßige Reinigung von Hörgeräten ist die Vorbeugung von Infektionen. Werden die Geräte über längere Zeit nicht gepflegt, können sich auf ihrer Oberfläche und in kleinen Öffnungen Bakterien, Pilze oder andere Keime ansammeln. Diese Mikroorganismen gelangen beim Tragen in direkten Kontakt mit der Haut des Gehörgangs und können dort Entzündungen oder Reizungen verursachen.
Eine gründliche und konsequente Reinigung entfernt diese Keime zuverlässig und reduziert damit das Risiko für Infektionen – gleichzeitig bleibt das Tragegefühl angenehm und hygienisch.
Das Hörgerät wird hinter dem Ohr getragen und befindet sich damit in direktem Hautkontakt mit der Ohrmuschel und der Kopfhaut. Hautschüppchen, Schweiß und auch Staub setzen sich auf dem Gehäuse ab. Das sich auch die Mikrofonöffnungen auf dem Gehäuse befinden, setzen diese sich unweigerlich mit der Zeit zu. Bevor Sie allerdings gar nichts mehr hören, lässt die Hörqualität schleichend nach. Daher ist es für ein positives Tragegefühl äußerst wichtig, diese Mikrofonöffnungen regelmäßig von Schmutz zu befreien.

Die kleinen Öffnungen auf der Geräteoberseite weisen auf die Positionen der Mikrofone hin. Die Mikrofone werden von einer Membran geschützt. Die Öffnung freizuhalten und die Membran regelmäßig abzusaugen oder absaugen zu lassen ist unerlässlich für einen klaren Klang.
Neben der Reinigung der äußeren Teile des Hörgeräts ist auch die regelmäßige Reinigung der Ohrpassstücke oder Schirmchen wichtig. Diese sind die Teile des Hörgeräts, die direkt im Ohr platziert werden und eng mit dem Ohr in Kontakt stehen. Durch den ständigen Gebrauch können sie mit Ohrenschmalz und Feuchtigkeit verunreinigt werden, was nicht nur die Klangqualität beeinträchtigt, sondern auch zu Irritationen und Unbehagen führen kann. Durch eine gründliche Reinigung der Ohrpassstücke wird die Hygiene verbessert und das Tragen der Hörgeräte angenehmer.

Bei Ex-Hörer-Hörgeräten befindet sich am Ende der Zuleitung der Lautsprecher mit einem Filter. An diesem wird ein Schirmchen, auch Dome genannt oder eine maßangefertigte Otoplastik befestigt.
Diese Schirmchen sind aus einem Silikon hergestellt und sollte im optimalen Falle alle 14 Tage gewechselt werden. Schmutz und Bakterien können sich in den Lamellen verfangen. Außerdem wird das Material mit der Zeit rissig und bietet damit einen optimalen Boden für Bakterien.
Im Filter der Lautsprecherbuchse sammelt sich Cerumen, Talg und Hautschüppchen, damit der Lautsprecher nicht beschädigt wird. Schon kleine Ablagerungen können die Hörqualität negativ beeinflussen. Ist der Filter komplett verstopft, hören Sie gar nichts mehr.
Durch die Positionierung des gesamten Hörgerätes im Gehörgang, ist es den ganzen Tag mit Talg, Cerumen und Staub in Kontakt. Durch das Einsetzen des Hörgerätes geraten Verschmutzungen des Finger oder auch Hautschüppchen auf die Oberfläche der Hörgeräte, auf der sich die Mikrofonöffnung befindet. Daher ist es gerade bei Im Ohr Hörgeräten besonders wichtig, dass diese gut gereinigt werden, damit eine klare Klangqualität erhalten bleibt.

Die Position der Mikrofonöffnung kann variieren, da sie vom Platz auf der Hörgerätoberseite abhängig ist. Manchmal wird diese Öffnung, wie beim Lautsprecher auch, mit einem Filter vor Verschmutzung geschützt.
Sobald Sie ein maßangefertigtes Hörgerät oder eine maßangefertigte Otoplastik Ihr eigen nennen, ist eine Belüftungsbohrung in die Form integriert. Diese Bohrung, egal, wie große sie ist, hat entscheidenden Einfluss auf das Hören und das Wohlbefinden beim Tragen der Hörgeräte.
Die Belüftungsbohrung sorgt zum einen für den Druckausgleich im Gehörgang und zum anderen dafür, dass Körperschall abfließen kann. Außerdem kann sie, je nach Beschaffenheit, Frequenzen auf natürlichem Wege ans Trommelfell weiterleiten.
Sobald diese Belüftungsbohrung durch Cerumen verschlossen ist, haben Sie das Gefühl, von der Welt akustisch abgeschnitten zu sein. Außerdem dröhnt die eigene Stimme unnatürlich und sie verstehen deutlich schlechter.
Lassen Sie sich von Ihrem Hörakustiker genau erklären, wie und mit was Sie diese Belüftungsbohrung am Besten reinigen können.

Zum sanften Abbürsten, Entfernung von festsitzenden Verschmutzungen und Öffnung der Belüftungsbohrung am Ohrstück stehen Ihnen unterschiedliche, kleine Helferlein zur Verfügung. Lassen Sie sich von Ihrem Hörakustiker eine für Ihre Hörgeräte passende Auswahl zusammenstellen.

Für die manuelle Nassreinigung können Sie spezielle Feuchttücher benutzen. Diese werden von einer Vielzahl unterschiedlicher Hersteller angeboten. Sie erhalten Sie einzeln verpackt oder in der Großpackung. Mit Ihnen können Sie schnell und einfach Verschmutzungen von den Geräten entfernen.

Neben Reinigungstüchern kann man auch solch ein Spray benutzen. Die Entscheidung, welche Variante man benutzt, ist eine Sache der persönlichen Vorliebe.
Nutzen Sie aber auf keinen Fall feuchte Brillenputztücher – diese beinhalten in der Regel eine alkoholische Lösung, die die Lackierung an den Hörgeräten angreifen kann. Das selbe gilt für Reinigungsspiritus, Essig oder ähnliche scharfe Haushaltsmittel.

Der akkubetriebene Mini-Staubsauger für Hörgeräte bietet Ihnen die Möglichkeit, Mikrofonöffnungen und Lautsprecher effektiv abzusaugen. Auch Belüftungsbohrungen lassen sich damit von Schmutz befreien.
Das saugstarke, handliche Gerät ist kinderleicht zu bedienen und mit seinen unterschiedlichen Aufsätzen für jede Art von Hörgerät geeignet.

Trockenboxen wie diese sorgen mit einem warmen Luftstrom dafür, dass die Hörgeräte von täglicher Feuchtigkeitsansammlung befreit werden. Feuchtigkeit, die bereits durch den reinen Hautkontakt entsteht und dadurch unvermeidbar ist, kann die Schutzmembrane der Mikrofone belegen und für Einschränkungen in der Klangqualität sorgen. Außerdem beinhalten diese Boxen teilweise auch die Funktion einer Behandlung der Hörgeräte mit UV-Licht zur Beseitigung von bakteriellem Befall.

Wenn Sie Hörgeräte mit Akkus benutzen, empfiehlt sich eine solche Trockenstation, die einfach über das Ladegerät gestülpt werden kann. Aufladen und Trocknen ohne extra Zeitaufwand.

Es gibt inzwischen auch schon Reinigungsstationen, mit denen Sie in eines Durchlauf die Lautsprecher mit Schirmchen oder Otoplastiken nass reinigen lassen können. Anschließen werden die Geräte intensiv getrocknet und desinfiziert.
Diese Box ist geeignet für Im-Ohr-Hörgeräte, Hörgeräte mit externem Lautsprecher und Schirmchen oder Otoplastik und klassische Hörgeräte mit Otoplastik. Allerdings jeweils nur in der Batterievariante. Durch die entstehende Wärmeentwicklung soll von der Nutzung bei Akku-Hörgeräten abgesehen werden.
Hier sind einige grundlegende Schritte, wie Sie die Hörgerätereinigung selbst durchführen können:
Entfernen Sie das Hörgerät vorsichtig aus Ihrem Ohr. Halten Sie es über einem weichen Handtuch oder einer anderen weichen Oberfläche, um Beschädigungen zu vermeiden, falls es herunterfallen sollte.
Überprüfen Sie das Hörgerät auf sichtbaren Schmutz, Staub oder Ohrenschmalz. Verwenden Sie eine trockene Bürste (in der Regel mit einem Hörgerät geliefert) oder ein weiches, fusselfreies Tuch, um diese Ablagerungen vorsichtig zu entfernen. Achten Sie darauf, keine scharfen Gegenstände oder Reinigungsmittel zu verwenden, da sie das Hörgerät beschädigen könnten.
Reinigen Sie die Ohrpassstücke oder Schirmchen des Hörgeräts. Diese können mit Ohrenschmalz und Feuchtigkeit verunreinigt sein. Verwenden Sie eine kleine Bürste, die speziell für die Reinigung von Hörgeräten entwickelt wurde, um sie vorsichtig zu reinigen. Achten Sie darauf, nicht zu stark auf die Ohrpassstücke zu drücken, um Beschädigungen zu vermeiden.
Überprüfen Sie die Belüftungskanäle des Hörgeräts. Diese kleinen Kanäle ermöglichen den Luftaustausch und verhindern Feuchtigkeitsansammlungen. Verwenden Sie eine Lupe oder eine Bürste, um sicherzustellen, dass sie nicht blockiert sind. Falls erforderlich, können Sie einen dünnen Draht oder eine spezielle Reinigungsschlinge verwenden, um vorsichtig Verstopfungen zu lösen.
Prüfen Sie die Mikrofone und Lautsprecher des Hörgeräts auf sichtbaren Schmutz oder Verstopfungen an deren Ein- und Auslässen. Verwenden Sie erneut eine weiche Bürste oder ein trockenes Tuch, um sie sanft zu reinigen. Seien Sie besonders vorsichtig, um sie nicht zu beschädigen.
Verwenden Sie gegebenenfalls spezielle Reinigungsmittel für Hörgeräte. Es gibt Flüssigkeiten, die speziell für Hörgeräte entwickelt wurden und dabei helfen können, hartnäckigen Schmutz und Ablagerungen zu entfernen. Befolgen Sie die Anweisungen des Herstellers sorgfältig und verwenden Sie diese Reinigungsmittel nur, wenn sie für Ihr Hörgerät geeignet sind.
Trocknen Sie das Hörgerät gründlich, bevor Sie es wieder verwenden. Verwenden Sie ein weiches, fusselfreies Tuch, um Feuchtigkeit von den Oberflächen des Hörgeräts zu entfernen. Stellen Sie sicher, dass keine Feuchtigkeit in das Batteriefach oder andere empfindliche Bereiche gelangt. Es gibt auch spezielle Trockenstationen, die Feuchtigkeit effektiv aus den Hörgeräten entfernen können.
Setzen Sie das gereinigte Hörgerät wieder ein, sobald es vollständig trocken ist. Achten Sie darauf, dass es sicher und bequem in Ihrem Ohr sitzt.
Lassen Sie regelmäßig Ihre Gehörgänge fachmännisch von Cerumen befreien. Durch das Tragen von Hörgeräten wird der natürliche Abtransport erschwert und die Reizung im Gehörgang regt die Cerumen-Neubildung an. Dies kann unbeachtet zu einem Gehörgangsverschluss führen.
Es empfiehlt sich, regelmäßig einen Hörakustiker für eine professionelle Hörgerätereinigung aufzusuchen. Fachkräfte verfügen über das nötige Wissen und die passenden Werkzeuge, um die Geräte gründlich zu reinigen, ohne empfindliche Bauteile zu beschädigen. Zudem erhalten Sie hilfreiche Tipps, wie Sie Ihr Hörgerät im Alltag richtig pflegen und typische Probleme vermeiden können.
Durch konsequente Reinigung – sowohl zu Hause als auch beim Akustiker – verlängern Sie die Lebensdauer Ihres Im-Ohr-Hörgeräts und sichern sich dauerhaft eine optimale Klangqualität.
Insgesamt ist die regelmäßige Reinigung von Hörgeräten entscheidend, um eine einwandfreie Funktion, eine stabile Klangqualität und ein angenehmes Tragegefühl sicherzustellen. Sie entfernt nicht nur Schmutz und Cerumen, sondern senkt auch das Risiko von Infektionen und verlängert die Lebensdauer der Geräte spürbar. Wer die Pflegehinweise des Hörakustikers beachtet und seine Hörgeräte konsequent reinigt, profitiert langfristig von einem deutlich besseren Hörerlebnis.
Lassen Sie sich beim Kauf Ihrer Hörgeräte unbedingt genau zeigen, welche Reinigungsschritte Sie selbst durchführen können und welche Produkte dafür geeignet sind. So stellen Sie sicher, dass Ihre Hörgeräte dauerhaft zuverlässig arbeiten und Sie Ihren Alltag unbeschwert genießen können.
Wenden Sie sich gerne an unsere Redaktion, wenn Fragen offen geblieben sind. Nutzen Sie dafür das hier hinterlegte Formular:
Autoreninfo







