Akku-Hörgeräte und Hörgeräte mit Batterien

Akku-Hörgeräte oder Batterien: 6 Kriterien für Ihre Entscheidung

Aufladbare Hörgeräte haben sich in kurzer Zeit zu einem echten Renner entwickelt. Was ist dran an dem Hype? Sind Akku-Hörgeräte für jeden geeignet?
Wir erklären, was Sie bei Ihrer Kaufentscheidung beachten sollten.

1. Wie einfach soll die Bedienung sein?

Bild mit zwei Hörgeräten in Ladestation. Daneben Texte, die die Handhabung von Akkus und Batterien beschreiben.

Ganz wichtig ist, dass Ihnen die Bedienung Ihrer Hörgeräte im Alltag keine Umstände macht. Haben Sie möglicherweise Einschränkungen in der Fingerbeweglichkeit? Oder mögen Sie es, wenn die Dinge schnell und unkompliziert funktionieren? Dann sind aufladbare Hörgeräte genau das Richtige für Sie. Die Akkus sind heute fest ins Gehäuse integriert. Dazu gibt es ein Ladegerät mit Steckplätzen für zwei Hörgeräte. Abends steckt man die Hörgeräte dort einfach hinein. Sie werden automatisch abgeschaltet, und auch der Ladevorgang startet vollautomatisch. Genauso ist es morgens beim Herausnehmen: Die Hörgeräte schalten sich automatisch wieder ein. Kein Knöpfchen drücken, keine Klappe öffnen, man muss den Akku nicht herausnehmen.

Ganz anders ist es bei batteriebetriebenen Hörgeräten. Sobald man sein Hörgerät ablegt, muss man die Batterieklappe öffnen, damit nicht so viel Energie verschwendet wird. Der Einrast-Mechanismus am Gehäuse leiert mit der Zeit ein wenig aus. Beim Einsetzen der Hörgeräte muss die Klappe wieder geschlossen werden. Das Auswechseln der Batterie kann eventuell sehr fummelig sein. Besonders bei kleinen Hörgeräten ist auch die Batterie sehr klein. Das Wechseln macht man am besten über einem Tisch, falls die Batterie aus der Hand fällt. Manchmal ist es nicht so leicht zu erkennen, in welcher Position die Batterie eingelegt werden muss. Alle drei bis sieben Tage muss die Batterie getauscht werden. Mit Hörgerätebatterien hat man also einen deutlich höheren Aufwand als mit aufladbaren Hörgeräten.

2. Wie robust soll das Hörgerät im Alltag sein?

Akku-Hörgeräte

Hörgeräte mit Batterien haben eine kleine Klappe am Gehäuse, die täglich mindestens 2x bewegt wird. Diese mechanische Beanspruchung begünstigt Verschleißerscheinungen und damit Folgekosten. Oft muss bei einer defekten Batterielade das gesamte Gehäuse ausgetauscht werden. Außerdem können durch den Spalt am Batteriefach Staub und Feuchtigkeit eindringen. Auch das zieht einen höheren Serviceaufwand nach sich. Übrigens: Wussten Sie, dass Hörgerätebatterien bei Kälte manchmal schlapp machen? Diese Aussetzer sind nicht weiter schlimm, sind aber ein wenig störend. Sie verringern auch die verbleibende Kapazität der Batterie. Rechnen Sie bei Batterie-Geräten also mit ein wenig mehr Abnutzungserscheinungen.

Akku-Hörgeräte haben ihren Akku fest integriert. Es gibt also keine Klappe mehr, die geöffnet werden muss. Entsprechend geringer fallen die Verschleißerscheinungen des Hörgerätes aus. Auch Feuchtigkeit und Staub haben es viel schwerer, ins Innere des Gehäuses vorzudringen. Aufladbare Hörgeräte sind also viel besser gegen äußere Einflüsse geschützt. Auch Kälte kann dem Ladezustand des Akkus nicht viel anhaben.

Sollte der Akku doch einmal defekt sein, muss allerdings ein Profi ran. Das Gerät wird kurz zum Hersteller geschickt, und der tauscht den Akku aus. Das sollte aber frühestens nach fünf Jahren nötig sein – wenn überhaupt.

3. Wieviel Flexibilität benötigen Sie im Alltag?

In Sachen Flexibilität haben beide Gerätetypen Vor- und Nachteile. Zunächst geht es um die täglich zur Verfügung stehende Energie.
Im normalen Alltag ist es äußerst unwahrscheinlich, dass Akku-Hörgeräten die Energie ausgeht. Wenn man sich eine Laderoutine angewöhnt, z.B. jede Nacht aufladen, dann hat man selbst an langen Tagen immer genügend Akkukapazität. Vermutlich kommt es nie dazu, dass man den Warnton hört, bevor der Akku leer wird. Bei Batterien ist das anders. Es kann durchaus sein, dass dem Hörgerät gerade im spannendsten Teil eines Vortrages die Energie ausgeht. Dann muss man in der Tasche kramen und die Batterie wechseln. Natürlich kann man auch vorsorglich eine frische Batterie einlegen, aber dann vergeudet man womöglich einiges an Energie.

Allerdings ist man mit einem Batterie-Hörgerät völlig unabhängig von externen Stromquellen. Wer gerne campen geht oder bei der Alpenüberquerung nicht auch noch ein Ladegerät mitschleppen möchte, ist mit Hörgerätebatterien möglicherweise besser versorgt. Manche Ladestationen für Akkugeräte haben eine integrierte Powerbank. Das erweitert die Freiheiten für ein paar Tage, aber sie muss halt mit ins Gepäck.

Wie wichtig ist Ihnen die Größe oder Unsichtbarkeit des Hörgerätes? Akkus brauchen eine gewisse Größe, um genügend Energie für einen langen Tag zu speichern. Keine Sorge, die Hörgeräte sind trotzdem klein und bequem. Hörgeräte mit Batterie können dagegen sogar unsichtbar sein. Es gibt winzig kleine Batterien, die ebenso winzige Bauformen zulassen. Allerdings ist bei diesen das Handling komplizierter und der Wechselrhythmus beträgt ca. drei Tage.

4. Wie häufig und wie lange werden Sie Ihr Hörgerät nutzen?

Grundsätzlich kann man sagen, dass Akkus bevorzugt werden, wenn ein Gerät einen hohen Energiebedarf hat. Beim Hörgerät trifft das zu, wenn Sie über längere Zeiträume das Streaming verwenden. Streaming bedeutet, dass Sie Ihr Hörgerät als Kopfhörer verwenden und Telefonate oder Musik vom Smartphone direkt per Funk in die Hörgeräte übertragen. Auch die Verwendung eines Funk-TV-Adapters benötigt viel Energie aus dem Hörgerät. Eine Akkuladung reicht auch mit mehreren Streaming-Stunden locker über den ganzen Tag. Bei Hörgerätebatterien macht sich der zusätzliche Energiebedarf jedoch stärker bemerkbar. Die Batterie hält nicht mehr so lange und muss häufiger gewechselt werden.

Fernbedienungen für Hörgeräte sind oft batteriebetrieben. Das ist auch gut so, denn der Stromverbrauch ist extrem gering. Man benötigt sie nur gelegentlich und auch nur für wenige Sekunden. Die Batterie hält oft Jahre. Ein Akku würde seine Kapazität viel schneller verlieren.

5. Was möchten Sie für die Umwelt tun?

Akku-Hörgeräte: Beurteilung der Umweltfreundlichkeit

Dieses Thema lässt sich schnell besprechen:
– Sowohl Akkus als auch Batterien enthalten umweltschädliche Stoffe.
– Beide müssen als Sondermüll entsorgt werden und gehören nicht in den Hausmüll.
– Akkus in aufladbaren Hörgeräten können über mehrere Jahre verwendet werden. Bis zu 2.000 Ladezyklen versprechen die Hersteller. Es entsteht also weniger Müll.
– Hörgerätebatterien sind Einwegprodukte. Nach wenigen Tagen schon wandern sie in den Müll.

6. Wie sieht es mit den Kosten aus?

Die Verbrauchskosten sind vermutlich ähnlich. Batterien kauft man regelmäßig zu geringen Preisen. Über die Jahre kommt da einiges zusammen. Den Akku muss man im Laufe eines Hörgerätelebens vermutlich nur einmal wechseln. Das kostet dann aber gleich so viel wie eine normale Reparatur. Also gibt es in diesem Punkt wahrscheinlich Gleichstand. Außerdem bieten viele Hörakustiker pauschale Batteriebundles an, die sehr günstig sind. Auch Versicherungen für Reparaturen können die Kosten für den Akkutausch deutlich senken.

Ein weiterer Punkt sind die Anschaffungskosten. Eine Ladestation für Akku-Hörgeräte muss häufig extra bezahlt werden. Auch die Hörgeräte selbst können ein wenig teurer sein als Batterie-Geräte. Aber Nachfragen lohnt sich. Auch hier gibt es immer mal wieder Angebote, bei denen die Ladestation gratis dazugegeben wird.

Akku-Hörgeräte: Alle aufladbaren Hörgeräte und Testberichte auf einen Blick:

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