Schwerhörigkeit und Demenz 2026: Vorsicht Falle! - Hörgeräte-News
Demenz

Schwerhörigkeit und Demenz 2026: Vorsicht Falle!

Demenz ist die häufigste Ursache für Pflegebedürftigkeit im höheren Alter – und sie wird von vielen Menschen mit großer Sorge betrachtet. Die Möglichkeit, an Selbstständigkeit einzubüßen und Angehörige zu belasten, löst verständlicherweise tief verwurzelte Ängste aus. Deshalb werden selbst harmlose Veränderungen im Verhalten oder in der Konzentration im Alter schnell als mögliche Frühzeichen gedeutet.

Heute gilt als gut belegt, dass Schwerhörigkeit und Demenz eng miteinander verbunden sind. Ein eingeschränktes Hörvermögen kann das Demenzrisiko deutlich erhöhen – und bemerkenswert ist: Dieser Risikofaktor ist beeinflussbar. Doch worin genau besteht der Zusammenhang zwischen vermindertem Hörvermögen und dem Abbau kognitiver Funktionen?

Was ist Demenz?

Das Bundesgesundheitsministerium beschreibt die Demenz wie folgt:

Am Anfang der Krankheit stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit, in ihrem weiteren Verlauf verschwinden auch bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses, sodass die Betroffenen zunehmend die während ihres Lebens erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten verlieren. Aber eine Demenz ist mehr als eine „einfache“ Gedächtnisstörung. Sie zieht das ganze Sein des Menschen in Mitleidenschaft: seine Wahrnehmung, sein Verhalten und sein Erleben.

Das Gehirn ist ein äußerst komplexes Organ, das auf eine ständige Stimulation angewiesen ist, um optimal zu funktionieren. Das Hören spielt dabei eine entscheidende Rolle. Wenn das Gehör beeinträchtigt ist und Klänge nur noch gedämpft oder verzerrt wahrgenommen werden, kommt es zu einer verringerten Stimulation des Gehirns.

Woran erkennt man eine Demenz?

Da Demenz eine fortschreitende Erkrankung ist, werden frühe Anzeichen oft als einfache Vergesslichkeit oder als normale Auswirkungen eines stressigen Tages abgetan. Es ist jedoch wichtig, wachsam zu sein, wenn bestimmte Symptome häufiger auftreten und an Intensität zunehmen. In solchen Fällen ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursache abklären zu lassen.

Symptome im AlltagSymptome im Verhalten
Dinge werden verlegtVerhaltensveränderungen
Namen werden vergessenDepression
OrientierungslosigkeitAngst
Merkfähigkeit lässt nachTeilnahmslosigkeit
Wortfindungsstörungeninnere Unruhe
anspruchsvolle Aufgaben fallen schwererStimmungsschwankungen
verminderte ProblemlösungsfähigkeitPersönlichkeitsveränderungen
erschwerte KoordinationHalluzinationen
Diese Tabelle zeigt nur einen Auszug der möglichen Symptome auf.

Ein qualifizierter Arzt kann unterscheiden, ob es sich um altersbedingte Veränderungen handelt oder ob eine behandelbare Erkrankung vorliegt, deren Symptome einer Demenz ähneln. Durch eine umfassende medizinische Untersuchung lassen sich alternative Ursachen – etwa Stoffwechselstörungen, Vitaminmangel, Nebenwirkungen von Medikamenten oder psychische Belastungen – erkennen oder ausschließen.

Vorsicht Falle: Parallelen zwischen Schwerhörigkeit und Demenz

Es ist besonders wichtig, aufmerksam zu bleiben, denn eine Schwerhörigkeit kann nahezu die gleichen Symptome hervorrufen wie eine beginnende Demenz. Deshalb ist es entscheidend, die möglichen Auswirkungen eines Hörverlustes auf die geistige Leistungsfähigkeit zu kennen und entsprechend zu handeln.

Da sich die Symptome teilweise überschneiden, können Verhaltensänderungen leicht fehlgedeutet werden. Gedächtnislücken, Verwirrtheit, Kommunikationsprobleme oder sozialer Rückzug können sowohl auf eine Hörminderung als auch auf eine kognitive Störung hinweisen.

Achten Sie daher besonders auf folgende Anzeichen bei der betroffenen Person:

AußenwirkungGrund
wirkt teilnahmslosdie Konzentration auf Gespräche kann nur eine begrenzte Zeit aufrechterhalten werden, bis der Schwerhörige resigniert und aufgibt
zieht sich zurückKommunikation ist anstrengend und bringt keine Freude, wenn man nichts versteht.
gibt falsche AntwortenDer Versuch, aus ankommenden Sprachfetzen eine Frage zu erraten, ist nicht immer erfolgreich
ist schnell müdedie Konzentration und Anspannung ist eine Dauerbelastung für den Schwerhörigen
kann sich weniger merkenÜberlastung des Gehirnes durch ständiges Kombinieren müssen
wirkt depressiv/gereiztUngeduld mit sich selbst und den anderen
es kommt vermehrt zu Missverständnissendurch eingeschränkte Kommunikation
verpasst Terminetelefonisch vereinbarte Termine werden falsch verstanden
wirkt zunehmend unruhigeingeschränktes Sicherheitsgefühl, da man nichts mehr wahrnimmt, was in der Umgebung passiert
nimmt Gefahren nicht mehr wahrdie Fahrradklingel oder das Elektro-Auto wird nicht gehört

Indem wir uns vor Augen führen, dass Hörverlust und Demenz ähnliche Anzeichen verursachen können, lassen sich Missverständnisse vermeiden und Betroffene gezielter unterstützen. Eine sorgfältige Überprüfung des Hörvermögens und eine frühzeitige Versorgung sind dabei entscheidend, um sicherzustellen, dass eine Schwerhörigkeit nicht irrtümlich als demenzieller Prozess gewertet wird.

Wie kann ein Hörgerät helfen?

Durch eine umfassende auditive Untersuchung und eine genaue Beobachtung der individuellen Situation können wir den Betroffenen gezielt helfen. Eine rechtzeitige Versorgung mit Hörgeräten kann das Hörvermögen verbessern und das Risiko von Fehldiagnosen oder unnötigen Behandlungen verringern.

Schwerhörigkeit und Demenz
Die rechtzeitige Versorgung mit Hörgeräten bedeutet auch, dass der Betroffene nicht länger in der Isolation gefangen ist. Durch die Möglichkeit, aktiv am sozialen Leben teilzunehmen, kann er sich wieder mit Familie, Freunden und Kollegen verbinden. Der Austausch von Gedanken, Emotionen und Geschichten wird wieder möglich und die Einsamkeit weicht der Verbundenheit. Bildquelle: ASSY auf Pixabay

Hörgeräte erleichtern Betroffenen den Alltag erheblich. Gewohnte Aktivitäten wie Telefonieren, Fernsehen oder Einkaufen werden wieder mühelos möglich und nicht länger zu frustrierenden Herausforderungen. Missverständnisse, Unsicherheiten und das Gefühl, wichtige Informationen zu verpassen, nehmen ab. Stattdessen entstehen mehr Sicherheit, Selbstbestimmung und Freude im täglichen Leben.

Eine frühzeitige Versorgung mit Hörgeräten ist daher besonders wichtig. Sie eröffnet die Chance, die Welt des Hörens neu zu entdecken und die eigene Lebensqualität spürbar zu steigern – sozial, emotional und praktisch. Es ist eine Investition in Wohlbefinden, Teilhabe und ein aktives, selbstbestimmtes Leben.

Die gesetzlichen Krankenkassen unterstützen Betroffene mit einem festen Zuschuss – alle wichtigen Informationen dazu finden Sie hier:

Kann ich einer Demenz vorbeugen?

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. informiert auf ihrer Internetseite über Faktoren, die das Risiko einer Erkrankung an Demenz verringern können. Dazu gehören:

geistige, körperliche und soziale Aktivität
ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Karotin
fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren
die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus

Aus dieser Auflistung und den obigen Ausführung der Folgen einer Schwerhörigkeit wird deutlich, dass zumindest der erste Punkt unmittelbar mit der rechtzeitigen Versorgung einer Schwerhörigkeit einhergeht. Denn die Einschränkung der sozialen Aktivitäten zieht zwangsläufig die Reduzierung der geistigen und auch körperlichen Aktivitäten nach sich. Durch die dann ausbleibende Stimulation des Gehirnes wird der Aufbau wichtiger Strukturen verhindert.

Spannende Studienerkenntnisse zum Demenzrisiko

Es gibt eine bekannte Langzeitstudie, die in den 80er Jahren begann und darauf abzielte, den Zusammenhang zwischen kognitiver Gesundheit und Demenzrisiko zu untersuchen.

Während der Studie wurde eine Gruppe von Nonnen über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten beobachtet. Daher auch der Name: Nonnenstudie

Die spannende Besonderheit dieser Studie liegt darin, dass die Nonnen zu Beginn eine schriftliche Autobiografie verfassten. Die Forschenden untersuchten diese Texte anschließend sehr genau – nicht inhaltlich, sondern sprachlich. Sie analysierten Merkmale wie Wortvielfalt, Satzkomplexität und sprachliche Ausdrucksstärke, um Hinweise auf die kognitive Gesundheit der Teilnehmerinnen aufzuspüren.

Das Ergebnis war bemerkenswert: Nonnen, deren Autobiografien eine besonders reichhaltige Sprache und komplexere Satzstrukturen aufwiesen, hatten im späteren Leben ein deutlich geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken.

Noch erstaunlicher: Selbst wenn nach ihrem Tod bei der Obduktion Alzheimer-Plaques oder andere typische Veränderungen im Gehirn gefunden wurden, hatten diese Frauen zu Lebzeiten kaum oder nur sehr milde demenzielle Symptome entwickelt.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ausgeprägte sprachliche Fähigkeiten und ein intellektuell aktives Leben im höheren Alter eine wichtige Schutzfunktion haben können. Man geht davon aus, dass geistige Aktivität und ein anregendes Umfeld die sogenannte kognitive Reserve stärken – also jene geistigen Kapazitäten, die das Gehirn widerstandsfähiger gegenüber dem Abbau von Nervenzellen machen.

Die Nonnenstudie ist damit ein faszinierendes Beispiel dafür, wie eng Sprache, Lebensstil und mentale Gesundheit miteinander verwoben sind – und wie viel Einfluss geistige Aktivität auf das Demenzrisiko haben kann.ng von geistiger Aktivität und Bildung im Kampf gegen Demenz zu schärfen.

Quelle und weitere Erläuterungen: Universität Witten-Herdecke

Fazit

Es ist wichtiger denn je, das Bewusstsein für den engen Zusammenhang zwischen gutem Hören und geistiger Gesundheit zu stärken. Unser Gehirn ist darauf angewiesen, kontinuierlich mit klaren akustischen Informationen versorgt zu werden. Bleiben diese Reize aus – etwa durch einen unbehandelten Hörverlust –, muss das Gehirn ständig „Lücken füllen“. Dieser zusätzliche Aufwand kostet enorme Energie und kann langfristig zu einer Überlastung führen. Kommunikation wird anstrengender, soziale Situationen werden gemieden, und genau dieses Zurückziehen gilt als einer der risikoreichsten Faktoren für eine spätere Demenzentwicklung.

Umso ermutigender ist die Erkenntnis, dass wir selbst aktiv Einfluss nehmen können. Indem wir unsere Hörfähigkeit ernst nehmen, regelmäßige Hörtests durchführen lassen und bei ersten Anzeichen von Hörverlust frühzeitig handeln, schützen wir nicht nur unser Hörvermögen – wir investieren zugleich in unsere kognitive Zukunft. Ein gut versorgtes Gehör entlastet das Gehirn, fördert soziale Aktivität und unterstützt die geistige Flexibilität, die wir im Alter so dringend brauchen.

Wer also auf sein Gehör achtet, tut weit mehr, als nur besser zu hören: Er stärkt seine mentale Widerstandskraft, erhält die Lebensqualität im Alltag und leistet einen bedeutenden Beitrag zur Vorbeugung von Demenz. Es lohnt sich, aufmerksam zu bleiben, Veränderungen ernst zu nehmen und rechtzeitig Unterstützung in Anspruch zu nehmen – für ein aktives, waches und selbstbestimmtes Leben.

Wenn Sie weitere Fragen zum Thema haben, können Sie uns gerne kontaktieren:

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