
Dieser Beitrag ist der erste Teil unserer siebenteiligen Serie zu den häufigsten Frustfaktoren bei Hörgeräten. In jedem Artikel greifen wir ein typisches Problem auf, das Betroffene im Alltag verunsichert, und ordnen es fachlich ein.
Ein besonders häufiges Thema ist das Klangempfinden nach der ersten Anpassung:
„Das klingt alles scharf.“
„Metallisch.“
„Zu laut.“
„Ich höre plötzlich jedes Detail – aber Sprache geht unter.“
Solche Rückmeldungen hören Hörakustiker häufig in den ersten Wochen nach der Anpassung. Und sie sind nachvollziehbar.
Viele Menschen, die das erste Mal ein Hörgerät erhalten, berichten von einem metallischen, scharfen Klang oder davon, dass Nebengeräusche dominieren. Plötzlich sind Schritte, Papiergeräusche oder Geschirr präsenter als Gespräche.
Was hier passiert, ist kein technischer Defekt, sondern zunächst ein neuroakustischer Effekt: Das Gehirn bekommt wieder Informationen, die es über Jahre teilweise ausgeblendet oder abgeschwächt hat.
Doch genau hier beginnt die Unsicherheit.
Ist dieses „Zuviel“ normal?
Ist es Gewöhnung?
Oder ist das Hörgerät falsch eingestellt?
Inhaltsverzeichnis
Bei einem länger bestehenden Hörverlust gewöhnt sich das Gehirn an reduzierte akustische Signale. Bestimmte Frequenzen, häufig hohe, werden nicht mehr vollständig verarbeitet.
Mit dem Hörgerät werden diese Anteile wieder hörbar gemacht. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass sie sofort angenehm klingen.
Hohe Frequenzen enthalten wichtige Sprachinformationen, etwa Konsonanten wie „s“, „f“ oder „t“. Gleichzeitig tragen sie aber auch viele Alltagsgeräusche: Rascheln, Klappern, Zischen.
Das Gehirn muss neu lernen, Relevantes von Unwichtigem zu unterscheiden. Diese Phase kann anstrengend wirken.
Um besser einordnen zu können, warum bestimmte Klänge plötzlich als scharf oder überbetont wahrgenommen werden, lohnt sich ein Blick auf die Rolle tiefer und hoher Töne beim Sprachverstehen.
In einem separaten Beitrag erklären wir ausführlich, welche Frequenzbereiche welche Funktionen übernehmen und warum gerade hohe Töne für die Verständlichkeit entscheidend sind. Mit diesem Hintergrundwissen lässt sich die Eingewöhnungszeit häufig ruhiger und geduldiger bewältigen, weil klarer wird, was das Hörsystem eigentlich leistet.
Typische Zeichen einer normalen Akklimatisation sind:
Das Klangbild wirkt zunächst ungewohnt, wird aber über Tage oder Wochen natürlicher.
Die Anstrengung nimmt langsam ab.
Sprache wird klarer, auch wenn Nebengeräusche noch präsent sind.
Das Gehirn beginnt, neue Prioritäten zu setzen. Dieser Prozess braucht Zeit und vor allem konsequentes Tragen.
Neben den technischen Zusammenhängen spielt auch der Alltag eine entscheidende Rolle. In einem weiteren Beitrag haben wir alltagstaugliche Tipps zur Eingewöhnung zusammengestellt – von der richtigen Tragezeit über sinnvolle Hörsituationen bis hin zum Umgang mit anfänglicher Überforderung.
Dieses Wissen hilft dabei, den Anpassprozess aktiv zu gestalten, statt ihn nur auszuhalten. Wer versteht, wie sich das Hören Schritt für Schritt stabilisiert, gewinnt Sicherheit – und bleibt eher konsequent am Ball.
Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass nicht nur Gewöhnung, sondern Einstellung eine Rolle spielt:
Hier lohnt sich eine gezielte Nachjustierung.
Moderne Hörsysteme arbeiten mit komplexen Parametern wie Kompression, Verstärkungsverlauf oder Störlärmmanagement. Kleine Veränderungen können große Wirkung haben.
Ein metallischer oder scharfer Klang bedeutet nicht automatisch, dass das Hörgerät ungeeignet ist. Er kann Ausdruck eines Trainingsprozesses sein oder ein Hinweis darauf, dass die Feinabstimmung noch nicht optimal sitzt.
Wichtig ist, beides auseinanderzuhalten und strukturiert anzugehen.
Im nächsten Beitrag der Serie widmen wir uns einem weiteren häufigen Frustfaktor: Wenn das Hörgerät drückt, juckt oder sich körperlich nicht richtig anfühlt.
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